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Philipp Reschke, Eintracht-Justitiar: Gerechtigkeit wird anders empfunden

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Er ist bei der Eintracht der Mann, der für Rechtsfragen jeder Art zuständig ist, der aber auch im "Heimspielalltag" darauf achtet, dass das Begleitprogramm wie geplant abläuft. Dazu gehört auch, mal selbst Hand anzulegen. Philipp Reschke hat ein ausgesprochen interessantes Arbeitsgebiet, das auch einige Sorgen mit sich bringt, denkt man an die Arbeit, die alleine mit der DFB-Gerichtsbarkeit und insbesondere jenen Fällen von Ausschreitungen oder pyrotechnischer Art zu tun hat. Wir haben ihn zum Interview getroffen und einen auch sehr unterhaltsamen Eindruck gewonnen.

(dc/ak) Der Termin war eventuell nicht sehr glücklich, da Philipp aufgrund seines Jobs am Tag vor dem ersten Heimspiel in der 1. Bundesliga reichlich unter Strom stand. Trotzdem denken wir, dass es - gerade vielleicht auch weil es kein "normales" Interview war - sehr informativ und unterhaltsam geworden ist.


Hallo Philipp, danke dass Du die Zeit gefunden hast, Dich heute trotz des engen Terminplans mit uns zu unterhalten. Obwohl Du bereits im elften Jahr bei Eintracht Frankfurt bist, kennen Dich die meisten Leute wahrscheinlich höchstens vom Sehen, wenn Du während des Spiels mit dem Headset durch den Innenraum läufst.

Davon ist auszugehen… Von der Ausbildung her bin ich Volljurist, habe aber in der Marketing-Abteilung von Eintracht Frankfurt angefangen. Es gab hier keine eigene Rechtsabteilung oder Juristen, so dass es meine erste Aufgabe war, das Sponsorenvertragswesen auf Vordermann zu bringen. Mit der Zeit ist eine regelrechte Sponsorenvertragsdatenbank angelegt worden. Wenn man diese Verträge erstellt, kommt dann natürlich auch das Vertragscontrolling dazu. Die ersten Jahre ging das sehr hemdsärmelig zu.

Die Banden im Innenraum haben wir noch selbst aufgebaut und während der Bauzeit mit dem Kollegen aus der Buchhaltung die Dinger an die Bauzäune genagelt. Da war vom Vertrag über den Gerichtssaal bis auf die Tartanbahn und vom Blaumann bis zum Anzug die ganze Bandbreite im Spiel. (allgemeines Gelächter)

Beim Ahlen-Spiel war´s richtig spektakulär, als es wie verrückt gestürmt hat, und wir die Banden in der 10. Minute einsammeln mussten, die sich losgerissen hatten, und durch den Innenraum flogen. Und in der 45. Minute hieß es "und jetzt alle wieder aufbauen!".

Bei dem Spiel wurde durch den Wind auch Tsoumou Madza von hinten aus 40 Metern getroffen, woraufhin er sich motiviert sah, ab sofort von überall - auch aus 80 Metern - einfach mal draufzurohren. Selbst bei Gegenwind.

Ist nicht auch auf Deinem Mist die Geschichte mit der kleinen Anzeigetafel, die jeder noch vom Reutlingen-Spiel her kennt, gewachsen?

Was heißt hier auf "meinem Mist"? Das war das Einzige, wozu sich die Baufirma Max Bögl damals vertraglich verpflichtet sah, um eine Interims-Spielstandsanzeige zu stellen. Die wurde aus irgendeiner Kreisliga-Sporthalle geholt und war für zweistellige Handball- oder Basketball-Ergebnisse gedacht. Mit dem 6:3 haben wir es ja dann einmal wenigstens in die Nähe geschafft. Wir konnten uns damals ja gar nichts anderes leisten und hatten dann auch ein Rahmenprogramm, das ausschließlich audiogesteuert war. Das haben wir drei Jahre lang durchgezogen, und ich fand das eigentlich sehr charmant. Die Spielstandsanzeige ist damals baubedingt von Spieltag zu Spieltag von Kran zu Kran gewandert und die Zuschauer mussten erst einmal suchen, wo sie denn wohl heute wieder hängt. Auch mit der Fernsteuerung vom Regieraum aus gab es immer wieder Probleme, denn wenn man bei 1:0 den falschen Knopf erwischte, stand da eine "99". Und dann konnte man fünf Minuten lang tippen, weil die Korrektur nur in eine Richtung möglich war. Da war es dann durchaus auch ein Vorteil, dass die Leute die Anzeige gar nicht sahen...

Beim Reutlingen-Spiel hat das Ding dann Kult-Status bekommen mit dem legendären Endergebnis hoch oben am Kran über dem Gegentribünenrohbau. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo die jetzt ist. Ich glaube, Bögl hat sie wieder mitgenommen. Eigentlich gehört die ja zu Matze Thoma ins Museum. Wir haben die Tafel noch zwei weitere Jahre genutzt und erst beim letzten Spiel der Saison 04/05 gegen Burghausen den Videowürfel eingeweiht. So viele Videoeinspielungen wie bei dieser Premiere hatten wir nie wieder.

Da lief dann auch unser Film (Anm. d. Red.: Andy Klünder und Dirk Chung betreiben eine Online-Agentur, die den Umbau vom Waldstadion zur Commerzbank Arena dokumentiert hat), sowohl vom Umbau, als auch die Dach-Doku.

… wobei die Eintracht vom Dach ja nicht so viel hatte. Wozu ist das Dach eigentlich gut?

Anders als gerne verkürzt dargestellt diente das Dach nicht nur dazu, Gelder vom Land für den Bau zu bekommen. Das Dach macht aus dem eigentlich reinen Fußballstadion eine echte Mehrzweck-Arena. Den DGB oder die Zeugen Jehovas bekommst Du hier nicht rein, wenn Du das Dach nicht verschließen kannst. Auch der eine oder andere Künstler würde bestimmt sagen: "Bei der Konkurrenz an Open-Air-Standorten ist eine Location ohne Dach nichts für mich."

Beim Fußball hat das Dach aber grandios versagt!

Beim Schalke-Spiel waren das allerdings Bedienungsfehler und beim Confed-Cup hatten wir es mit einer absoluten Wetter-Ausnahmesitu-ation zu tun, wobei das Dach an der berühmten Eckfahne, an der es kübelweise runtergoss, auch nicht richtig arretiert war - die "Wasserblase" wäre sonst gar nicht entstanden. Damals gab es übrigens oben die Glasumrandung noch nicht, so dass der Wind orkanartig durch den Oberrang fegte. Die Leute strömten nach unten und teilten sich zu zweit einen Sitzplatz. Der Sicherheitssprecher warnte die Menschen, das Stadion nicht zu verlassen wegen Blitzgefahr usw. Es war spektakulär!

Ja, Frankfurt und Regen, das hat schon Tradition! Sag' mal, Du hast doch damals auch das ganze Theater um die Lizenzierung mitgemacht?

Ja! Wenn Du so willst, war das mein erster großer Fall. Für mich - mit meiner Ausbildung - war das natürlich der tollste Moment bei der Eintracht! Ich kannte ja den wirklichen Sachverhalt, und für mich war glasklar, dass ein Anruf, der 30 Minuten nach Abgabe der geforderten Unterlagen und Ablauf der Deadline eine Bürgschaft in Frage stellt, die unwiderruflich ausgestellt war, nichts daran ändern würde, dass wir im Recht und die DFL mit dem Entzug der Lizenz im Unrecht war. Natürlich hatten wir auch Glück, dass alles im letzten Moment passte und sich die vielen Puzzleteilchen zusammenfügten. Und es bedurfte einer Menge Anstrengungen von vielen Leuten, aber wir waren im Recht.

Juristisch war es ein ganz simples Problem - Bürgerliches Recht - Allgemeiner Teil. Der Zugang einer Willenserklärung war erfolgt und deren Annahme ebenfalls. Die Sache war wasserdicht. Da gab es kein Entrinnen mehr. Auch der Bürgschaftstext war wasserdicht. Da stand "unwiderruflich"! Und ruft später jemand an und sagt "Können wir das mit dem 'unwiderruflich' doch wieder rausnehmen?", dann ist das eben zu spät! Die Sache war unterzeichnet, und deshalb war klar: Wir kriegen diese Lizenz zurück!

Selbst wenn es ein verbandspolitisches Ziel gegeben hätte - das es nicht gegeben hat - wäre der Entzug nicht haltbar gewesen. Das Schiedsgericht hat ja sehr deutlich festgestellt, dass kein Fehler auf Seiten von Eintracht Frankfurt zu sehen war. Alle Auflagen wurden vollständig und fristgerecht erfüllt. Daher war das Ganze für mich weniger dramatisch, als für die meisten Außenstehenden. Trotzdem war es hochgradig spannend, wenn Du so im Auge des Sturms stehst. Drei mündliche Verhandlungen, der Showdown mit Kupka …

(Das Gespräch wird unterbrochen, weil Philipp zu einer kurzen Besprechung gerufen wird. Der ganze Lizenzkrimi wurde in unserer letzten Ausgabe neu erzählt.)

Eigentlich bist Du hier "Mädchen für alles" gewesen?

Wir waren ja eine kleine Truppe damals. Bei der Fan- und Förderabteilung ist es doch auch so gelaufen. Das war auch zu Beginn ein kleines, eher provisorisch aufgestelltes Team. Das ist erst langsam so gewachsen. Dann bekommst Du auf einmal ein Stadion mit elektronischen Zugangskontrollen. Du führst Online-Ticketing und Online-Merchandising ein. Das wird alles plötzlich von riesigen IT-Apparaten gesteuert. Früher hat man am Riederwald die Karten so verkauft, und am Abend hattest Du überall den Feinstaub von der Perforierung, wobei ich darunter ja nicht zu leiden hatte, weil das die armen Kolleginnen und Kollegen am Riederwald betraf.

Wir springen jetzt etwas im Thema, aber haben wir das richtig verstanden, dass Kombacher dieses Jahr als Hauptsponsor auftritt, und nächstes Jahr "zurück ins 2. Glied" tritt?

Das ist richtig. Wir werden jetzt ein Jahr lang nach einem neuen Partner für das Trikot suchen. Das ist auch Krombacher klar. Es darf nur kein anderer Bierpartner sein.

Gibt's denn schon Tendenzen?

Es gibt Gespräche, Tendenzen und Wünsche. Das Ziel ist auf jeden Fall wieder eine langfristige Partnerschaft. Das ist die mit Krombacher zwar auch, aber eben nur ein Jahr auf dem Trikot. Einen Hauptsponsor zu finden ist kein Selbstgänger! Es heißt zwar immer, "es kann doch kein Problem sein, in Frankfurt jemanden zu finden, der für 5 oder 6 Millionen Euro jährlich sein Logo auf dem Trikot von Eintracht Frankfurt sehen will", aber wir sprechen hier in der Region in der Regel nicht von inhabergeführten Unternehmen, sondern von großen Kapitalgesellschaften. Und die haben Aktionäre. Und die kommen auch nicht alle aus Hessen, sondern haben unterschiedliche Hintergründe und Interessen. Denen muss man auch nicht erklären, wie man Marketing macht und dass Trikotwerbung die Mutter aller Marketingmaßnahmen ist. Große Unternehmen denken in Zielgruppen und dem Gesamtumfeld, in dem man wahrgenommen wird. Wenn ein internationaler oder international tätiger Konzern in Frankfurt als Sponsor auftritt, müssen die sich auch überlegen, was die Kollegen in London darüber denken. Für solche Unternehmen wäre es ein ausgesprochen lokales Engagement, mit der Eintracht zu werben, und das ist für die Meisten eine Hürde, die sie (noch) nicht überwinden können. Trotzdem kann auch ein Engagement für die eher lokalen Zielgruppen extrem attraktiv sein.

(Telefonische Unterbrechung: Der Waldparkplatz wurde soeben für den Spieltag freigegeben!)

Das mit der Isenburger Schneise ist ja wohl auch der Witz in Tüten?!

Ja, aber das ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass bei einem Problem, bei dem Bruchhagen seinen Ärger unmissverständlich kundgetan hat, sofort reagiert wird. Feldmann (Anm. d. Red: Der neue OB von Frankfurt) hat offenbar sofort veranlasst, dass alle Arbeiten an der Isenburger Schneise beendet werden und der Parkplatz ab morgen wieder zur Verfügung steht.

Es kann ja auch nicht Sache des Mieters sein, für die Infrastruktur zu sorgen. Der Grünen-Dezernent hat wohl auch in der Presse gefordert, dass die Eintracht dann halt eine Tiefgarage bauen soll.

Nein, das ist ja auch nicht unser Stadion, sondern da ist in erster Linie der Eigentümer verantwortlich. Das Parkbedürfnis ist ja nun keine Überraschung - das Gebäude wurde hier ja auch nicht als Supermarkt geplant, und wir haben dann gesagt, "komm' lass uns mal Fußball spielen!".

Wo wir gerade beim Stadion sind: Mit dem Amtsantritt von Axel Hellmann ist ja auch noch mal das Thema Stadionmiete in den Fokus gerückt. Gibt es da was Neues? Finden Verhandlungen mit dem neuen Bürgermeister statt? Auf der einen Seite gibt es ja Stimmen, die sagen, dass wir froh sein sollen, dass es das Stadion überhaupt gibt. Auf der anderen Seite gibt es verglichen mit anderen Vereinen, wie z.B. dem HSV, durch die hohe Stadionmiete einen enormen Wettbewerbsnachteil.

Es gibt zum einen die politische Ebene, auf der wird gesprochen, teils auch über die Medien, in denen man seine Erwartungen und Standpunkte ausspricht. Das kann aber immer auch schnell einen bissigen Zungenschlag bekommen und wechselseitig öffentliche Drucksituationen verursachen, wodurch sich ein verzerrtes Bild ergibt. Und dann gibt es die Gespräche auf der zweiten, der operativen Ebene, die eher in diskreter Ruhe ablaufen, die versprechend - nicht zwingend vielversprechend, aber versprechend - sind, die aber noch einiges davon entfernt sind, eine Lösung zu bringen. Die Teilnehmer sind da nicht in Starre verfallen, sondern gehen tatsächlich auf einander zu und suchen nach adäquaten und sachgerechten Lösungen.

Allerdings darf man die Vergleiche mit anderen Vereinen nicht ausschließlich auf die Ebene der reinen Stadionmiete führen. Ein HSV würde ein Jahr in der 2. Liga jedenfalls sehr viel schwerer verkraften, als wir, weil er beim Bau selbst ins wirtschaftliche Risiko gegangen ist, Miteigentümer des Stadions ist und über - keine Ahnung wie viele Jahre noch - die Kredite bedienen darf. Schalke ist ähnlich gelagert. Alles fast ausschließlich fremdfinanziert und das zu Zeiten, als die Zinsen noch viel höher waren. Bei Abstieg wird für diese Clubs die Konstruktion zum Betonklotz, der Dich auf den Meeresgrund zieht.

Dass wir uns das 2.-Liga-Jahr leisten konnten und auch weitere Zweitligajahre überleben könnten, haben wir der elastischen Vereinbarung über das Stadion zu verdanken, die letztlich mit umsatzabhängigen Größen arbeitet.

In absoluten Zahlen kommen wir dabei natürlich in immense Regionen, die der hohen Auslastung geschuldet sind. Hohe Auslastung ist für uns gut und für den Vermieter im Verhältnis sehr gut. Das waren in der 2. Liga ca. 5 und in der 1. Liga - je nach Auslastung zwischen 7 und 9 Millionen Euro Miete. Schlechte Auslastung ist für uns nicht gut und für den Vermieter im Verhältnis richtig schlecht - das ist die Systematik des Mietvertrages, nur dass es bei uns - Gott sei dank - eben noch nie so richtig schlecht lief mit der Auslastung.

Die Mietdiskussion in der Öffentlichkeit ist auch nicht ungefährlich, insbesondere weil es in jeder Saison Vereine gibt, die aus Wenig unglaublich Viel machen und aus Viel unglaublich Wenig. Man könnte uns immer provokativ die Frage stellen: "Könnt Ihr uns garantieren, dass Ihr mit 2 Millionen mehr die Klasse haltet?" Und genau das können wir nicht. Umgekehrt ist es ebenso unmöglich zu behaupten "Ohne die 2 Millionen Mehrerlös steigen wir ab!" Dennoch besteht einfach objektiv Handlungs- und Verbesserungsbedarf, und daran gilt es zu arbeiten.

Unabhängig davon ist die neue Hütte natürlich im Vergleich zum alten Waldstadion ein gigantischer Wettbewerbsvorteil! Wir wurden in ganz neue Umsatzdimensionen katapultiert. Im alten Waldstadion hatten wir überhaupt keine Vermarktungsrechte. Wir haben zwar den VIP-Bereich verkauft und konnten 50% davon behalten, aber von der Bandenwerbung sogar nur eine 10%ige Provision. Den Rest hat die DSM (Deutsche Städte Medien) bekommen. Wir reden hier also - vor die Klammer gezogen - nicht über eine aktuelle Schieflage, sondern mit dem Bau der Commerzbank-Arena über die Korrektur einer historischen Schieflage. Innerhalb der Klammer, in unserem Mietvertrag sind trotzdem einige kleinere und größere Punkte verbesserungswürdig und korrekturbedürftig, da das ganze Konstrukt in einer für uns als Zweitligist ungünstigen Verhandlungsposition entwickelt wurde. Als Zweitligist, der gerade mit Ach und Krach die Lizenz erhalten hatte, konnten wir keine großen Forderungen stellen. Mit uns Geschäfte zu machen, war keinesfalls en vogue, und es gab auch keinen Grund, auf die Kontinuität der wirtschaftlichen Konsolidierungspolitik zu vertrauen, die gerade erst an ihrem Anfang stand. Einige wenige haben es im Übrigen dennoch gemacht, zum Beispiel die Helaba. Erst mit der Bürgschaft, dann als kleiner Sponsor und mittlerweile ohne Zwang, sondern aus Überzeugung und einem gewissen Idealismus als Premium-Partner, also wenn man so will als Co-Sponsor.

Es gab ja mal Zeiten, da hat man sich samstags überlegt, zum Bayern-Spiel zu gehen, und hat am Nachmittag noch eine Karte am Eingang bekommen.

Stimmt! Aber wir haben im neuen Stadion nicht nur Event-Publikum angezogen, das sich für Fußball gar nicht interessiert. Eintracht Frankfurt hat mit diesem Stadion auch die Leute mobilisiert, die sich zwar schon immer vorstellen konnten, mal zum Fußball zu gehen, es aber einfach zu unkomfortabel und versifft fanden - Na klar, der Komfort gehört auch ein bisschen dazu. Aber in unserem Business-Bereich sitzen massenhaft Leute, die eine Kurvenvergangenheit im alten Waldstadion haben. Das ist ja auch nicht das Schlechteste. Wir haben ca. 95% Auslastung im Business-Bereich, und bei den Logen sind momentan 60 von 84 verkauft. Das ist eine Menge Holz, zumal die Rahmenbedingungen für solche Formen der Kundenbetreuung immer schlechter werden. Man wird überspitzt gesagt permanent verdächtigt, Leute durch Einladungen zu schmieren. Die steuerliche Absetzbarkeit wird zunehmend uninteressanter, zumal keiner seinem Gast sagen wird: "Die Versteuerung dieser Karte übernehmen Sie bitte selber." Damit wird das schon zum Kostenfaktor. Deswegen lassen viele Leute die Finger davon. Der Staat gibt sich schon alle Mühe, die Vermarktung der in der Regel aus seinen Mitteln gebauten oder bezuschussten Arenen, so unattraktiv wie möglich zu machen.

Mal provokativ gefragt: Braucht die Eintracht Frankfurt Fußball AG eine eigene Marketing-Abteilung, wenn die Vermarktung doch über Sportfive geschieht?

Ja sicher! Zum Marketing gehört ja nicht nur der Vertrieb am Ende des gesamten Prozesses, sondern dazu gehören auch Vermarktungsstrategien und das Kontrollieren dessen, was der Vermarkter macht. Die Umsetzung der vertraglichen Leistungen - also die Werbeflächen, Autogrammstunden, Freundschaftsspiele, PR Aktionen etc. - und die komplette Sponsorenbetreuung liegen ja ebenfalls bei uns, von den VIP-Tageskarten ganz zu schweigen. Unsere Marketing Abteilung ist gemessen daran ganz klein aufgestellt. Die sind gerade einmal zu Dritt.

Wenn Eintracht Frankfurt die Vermarktung neu organisieren müsste. Würde man sich noch mal an einen Vermarkter binden, oder es lieber in Eigenregie machen?

Wenn wir noch mal in der Position wären wie 2004, als wir die Verhandlungen mit Sportfive aufgenommen haben, würden wir wahrscheinlich selbst nach längeren Verhandlungen, wieder in den süß-sauren Apfel beißen und bei diesem Deal mitmachen.

Sportfive hat der Stadt damals gesagt: "Wir gehen ins Betreiber-Risiko und schließen einen Pachtvertrag mit Euch ab, aber nur, wenn wir uns mit Eintracht Frankfurt über die Vermarktung einigen können, weil wir uns über die Provision refinanzieren müssen." Natürlich hat Sportfive dabei von unserem Sponsorenstamm profitiert, aber wir profitieren auch sehr von deren Arbeit. 2200 Business-Seats und 900 Logenplätze kannst Du nicht zu zweit wie 2004 vermarkten, weil Du dafür unendlich viele Telefonate führen, und den potentiellen Kunden regelrecht hinterhersteigen und Klinken putzen musst, um erfolgreich zu verkaufen. Das ist nicht jedermanns Sache, und zumeist sind die Vereine auch ganz dankbar, dass diese Aufgabe von Sportfive übernommen wird. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass wenn wir wirtschaftlich den nächsten Schritt machen wollen, wir an beide Verträge, also den mit Sportfive und den mit der Stadt bzw. dem Betreiber, noch mal ranmüssen.

Und beim Mietvertrag muss man berücksichtigen, dass inhaltliche Änderungen von Verträgen mit der Politik auch immer von sachfremden, nämlich rein politischen Erwägungen abhängig sind. Die meisten würden der Eintracht sogar gerne helfen, aber wenn der politische Gegner nach der KiTa fragt, die gestern geschlossen wurde, weil keine Mittel mehr da sind, fehlen die durchschlagenden Argumente, und das Eis in der Diskussion wird ganz dünn. Die Politik hat halt noch ganz andere Themen und Zwänge auf dem Radarschirm.

Die Frage ist doch aber auch, was müsste alles schließen, wenn die Eintracht nicht mehr die Steuern zahlen kann, die sie zurzeit zahlt.

Der Hintergrund der Frage ist zwar berechtigt, aber sie unterstellt, dass wir absteigen, wenn die Miete nicht reduziert wird. Wir haben aber in den letzten sechs Jahren das Gegenteil bewiesen! Und das Stadion hat maßgeblich zu beigetragen, dass wir fünf Jahre lang Erstligist waren. Und an dem Abstieg war nun jeder Schuld, aber nicht der Mietvertrag. Der Mietvertrag ist unter Umständen für eine schnellere Entwicklung hinderlich, aber er gefährdet nicht unsere Existenz. Außerdem hören die jeden Tag von allen Seiten das Argument "wenn ich diesen Zuschuss nicht kriege oder jene Erleichterung wegfällt, gehen wir pleite und das kann doch auch nicht in Eurem Sinne sein, denn dann gibt´s gar keine Steuern mehr etc. etc." Auf dem Ohr ist die Politik taub, und ein bisschen muss ich mich ja auch mal in die Lage des Verhandlungspartners versetzen, um erfolgreich zu verhandeln.

Ja, aber wenn man immer wieder hört, dass z.B. Boris Rhein verlangt, dass die Bundesligisten für die Polizeieinsätze zahlen sollen, dann muss man doch auch mal dagegen halten, was die Bundesligisten dem Staat an Steuereinnahmen bringen.

Das stimmt ja auch. Aber das Argument mit der Wettbewerbsfähigkeit oder Existenzbedrohung zählt nicht. Das traue ich mich nicht zu sagen. Dann sagt Dir Dein Gegenüber: "Hättste halt den Petkovic nicht für drei Jahre verpflichtet Überdenk doch erst mal Dein Ausgabeverhalten, bevor Du Dich über die Miete beschwerst!" Und außerdem: mit 1,5 Millionen weniger Miete hätte Gekas den Ball gegen die Bayern auch nicht über die Linie gebracht. Und damit ist die Diskussion dann beendet. Und das darf eben nicht sein. Die Diskussion muss fortgeführt werden. Und deshalb müssen wir einfach konstruktiv nach den Stellschrauben suchen, die Sinn machen und uns nicht mit Killerargumenten streiten. Der Vertrag ist gar nicht so schlecht. Er ist nämlich gut für ein Worst-Case-Szenario. Und das hat sich gezeigt, als wir den Worst-Case hatten. Wir sind damals während der Verhandlungen nach einem Erstligajahr abgestiegen und hatten von den letzten fünf Jahren drei Jahre als Zweitligist hinter uns. In so einer Phase macht man Verträge, die einen nach unten absichern. Das ist der große Bonus dieses Vertrages. Ich glaube dennoch, dass wir eine Lösung finden.

Wir sitzen ja jetzt schon eine ganze Weile hier, aber was wir noch gar nicht angesprochen haben ist die Fan-Problematik. Welches Signal geht vom DFB aus, wenn der Platzsturm in Düsseldorf einerseits positiv besetzt war, und Düsseldorf dann doch dafür mit einem Geisterspiel bzw. Teilausschluss drakonisch bestraft wird?

Das größte Problem der ganzen Debatte ist, dass die meisten, insbesondere Politik und Medien, erst mal alles in einen Topf werfen. Wir holen jetzt mal alles aus dem Topf heraus und unterscheiden einmal.

Nehmen wir exemplarisch nur mal die Pyrotechnik. Da wird so wahnsinnig undifferenziert drüber berichtet und gesprochen, zum Teil von Leuten, die es besser wissen müssten, zum Teil von Leuten, die überhaupt keine Ahnung davon haben. Und das führt zu einer totalen Verschärfung der Diskussion, der Atmosphäre und der Gesamtsituation. Hinzu kommt, dass der Fußball - und damit meine ich nicht nur plakativ den DFB - sich über die ganze letzte Saison hindurch und auch bei der Euro - Werbung auf der Unterhose kostet 100.000 Euro, rassistische Gesänge kosten 50.000 - in Widersprüche verstrickt hat. Moralisch und rechtlich. Da fehlt gelegentlich ein wenig der einheitliche rote Faden im Denken und Handeln und das wird extrem von außen wahrgenommen. Die Rolle des Fußballs, der Verbände und auch der Vereine als moralische Instanz ist gefährdet, wenn nicht beschädigt, das muss man so klar sagen.

Für die Rechtsprechung des DFB sind übrigens wir selbst verantwortlich, denn wir, der Fußball, haben uns diese Rechts- und Verfahrensordnung mit allem, was dazu gehört, selbst gegeben.

Also, natürlich war das bei Hertha gegen Düsseldorf ein positiv besetzter Platzsturm. Das war doch früher bei allen Finalspielen so, ob national oder international. Damit sind wir doch groß geworden mit den Bildern, wo die Leute in den letzten fünf Minuten am Spielfeldrand stehen und nicht mal eine Ecke getreten werden kann. In der Regel waren die Spiele vom Ergebnis aber schon entschieden. Und deshalb verstehe ich nicht, warum man nicht den Mut gehabt hat, zu entscheiden, dass das Spiel wiederholt wird. Das wäre die einzige, wenn auch für Düsseldorf bedauerliche, nachvollziehbare Entscheidung gewesen. Die eigentliche sportliche Wettkampfsituation des Spiels ist für die letzten zwei Minuten der Nachspielzeit nach einer 20-minütigen Spielunterbrechung nicht wiederherstellbar. Hätte man unser Reutlingen-Spiel in der 3. Minute der Nachspielzeit beim Stand von 5:3 für 20 Minuten unterbrochen, hätten wir die sechste Bude mit Sicherheit nicht mehr gemacht, und es gibt unzählige weitere Beispiele dafür, was in solchen Spielen in den letzten 60 Sekunden möglich ist - ManCity ist das jüngste davon. Das Düsseldorf-Spiel hätte an einem neutralen Ort wiederholt werden müssen. Das hat man nicht gemacht, und das ist für die Meisten nicht nachvollziehbar.

Stattdessen hat man den "positiv besetzten Platzsturm" genommen und mit Totalausschluss bestraft! Wie geht das?! Das ist nicht nachvollziehbar! Formal mag es die richtige, weil regelungskonforme Entscheidung gewesen sein - insofern ist das keine Gerichtsschelte. Aber die dahinter stehende Wertung der Ereignisse widerspricht dem Gerechtigkeitsempfinden der überwiegenden Mehrheit - außer in Düsseldorf. Und das ist für uns alle nicht gut.

Fußball und Politik verlangen zunehmend von Fans einwandfreies Benehmen, ordentliche Gesänge und ausgewogenes rechtstreues Verhalten. Dann müssen wir natürlich auch mit gutem nachvollziehbarem, moralisch sauberem und transparentem Beispiel vorangehen. Und das fällt zunehmend schwerer. Hertha BSC kann sich beispielswiese nach dem Düsseldorf-Spiel nicht hinstellen und seine Fans für das Abbrennen von Pyrotechnik tadeln - auch wenn das tadelungswürdig ist - wenn gleichzeitig drei Spieler Wolfgang Stark zur Brust nehmen und sich verhalten wie die Vandalen.

Das Düsseldorf-Spiel kann wiederum nicht als Paradebeispiel für Fußball- und Fangewalt hergenommen werden, wie das geradezu reflexartig Medien und Politik taten.

Der Mensch, der den Elfmeterpunkt genommen hat und all die anderen - die waren vielleicht dämlich aber doch nicht kriminell - das hat doch jeder gesehen. Aber nein, da springt die Politik dann drauf und nimmt den völlig falschen Anlass für eine an sich berechtigte und diskussionswürdige Sorge und haben sich auch schon direkt der Diskussionsberechtigung beraubt, weil sie offenkundig überhaupt nicht verstanden haben, was da vorgefallen ist.

Spiegel Online hat ja kürzlich so schön geschrieben: Platzsturm in Düsseldorf: 0 Festnahmen, Fanmeile in Berlin beim Länderspiel gegen Italien: 99.

Ja. Aber im Ernst: Was sich in Karlsruhe abgespielt hat (gemeint ist das Relegationsspiel gegen Regensburg), das muss zu Recht diskutiert werden, aber das war Vielen ja in der Wirkung und Wahrnehmung zu unbedeutend!

Aber unabhängig davon muss es auch bei uns in Frankfurt möglich sein, kritisch darüber nachzudenken und zu sprechen. Und für diesen, auch gerne kontroversen Dialog wäre es besser, wenn man sich nicht von außen einmischt und sich des Themas bemächtigt, denn das fällt in der Regel kurz und heftig aus und hinterlässt uns danach mit mehr Problemen und verhärteteren Fronten, als vorher bestanden haben.

Welche Nachricht geht denn dann von dem Urteil gegen die Eintracht aus?

Die Frage ist doch, welche Nachricht geht von dem zugrundeliegenden Verhalten aus. Es gibt Phänomene beim Fußball, die auch diejenigen akzeptieren müssen, die denken, Fußball wäre ein Hochglanz-Produkt. Man kann sich sein Publikum genauso wenig einfach aussuchen, wie man sich eine Gesellschaft backen kann. Trotzdem muss es uns erlaubt sein, auch Missstände offen anzusprechen, und sei die Laune noch so gut. Wenn wir mal das 1860-Spiel nehmen: Die Tore wurden aufgemacht, um zu verhindern, dass sich Leute verletzen. Wir haben uns dazu entschieden, als die Ersten über die Zäune geklettert sind. Und am Ende waren sie alle freudentaumelnd friedlich und extrem gut drauf. Einige sind aber gleich in die 60er Kurve gerannt und meinten, da irgendwas veranstalten zu müssen. Was soll das? Warum sollen wir uns gefallen lassen, dass da ständig einige Jungens nicht nur Wasser, sondern z.T. Essig in formidablen Mengen in unser aller Wein schütten? Kommt gar nicht in Frage.

Und trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, die Dinge differenziert zu betrachten. Das Köln-Abstiegsspiel vor einem Jahr war da viel interessanter für mich. Da haben wir uns lange Zeit mit der Auswertung gelassen, ein paar wenige Stadionverbote erteilt und alle anderen gerüffelt, aber immer klar unterschieden zwischen denen, die Ärger machen wollten, und denen, die von ihren Emotionen da runter getrieben wurden. Die nicht Täter, sonder Opfer ihres eigenen Zustands, ihrer Emotionen waren. Und dass jemand nach so einer Saison und so einem Spiel als Höhepunkt ein Ventil für seine Emotionen braucht, das kann ich doch verstehen. Und während alle anderen gefordert haben: "In Sack und Asche mit allen, die im Innenraum waren!", haben wir das ganz sauber aufgearbeitet und uns von diesem Druck nicht fehlleiten lassen.

Kommen wir nochmal zum DFB-Urteil. Da wurde Eintracht Frankfurt als vorbildlich in punkto Fanarbeit, Vorarbeit, Sicherheit und bei der Beziehung zu den Fans genannt. Was ist dann die Nachricht an die Fans!

(Philipp liest §9a der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB vor, und fasst zusammen:) Eintracht Frankfurt ist verantwortlich für seine Fans, Punkt. Nicht nur organisatorisch, sondern auch ideell. Und das stimmt ja auch irgendwo. Zivilrechtlich ist das Kokolores. Und trotzdem tragen wir moralisch die Verantwortung für unsere Anhänger. Wer denn sonst, wenn nicht der jeweilige Club ? Die Zuordnung findet doch überall statt - bei jedem von uns.

Der Verband und die Clubs haben vor vielen Jahren gemerkt, es gibt eine zunehmende Unverträglichkeit von Niederlagen. Wir können ja alle nicht mehr verlieren. Es muss ja sofort die Busblockade her. Inzwischen werden ja schon Spieler privat angegangen. Abstiege sind nicht mehr hinnehmbar. Das ist unverzeihlich und hat entsprechend bestraft zu werden. Und bei diesen zunehmenden Tendenzen mit gelegentlichem Hang zu Ausschreitungen hat man irgendwann festgestellt: "Wir werden nie beweisen können, dass da ein Vereinsversagen oder eine Vereinsschuld vorliegt". Und das tut es ja in der Regel auch gar nicht. Und trotzdem muss es doch eine Verantwortlichkeit geben, denn sonst unternimmt keiner was, sonst stehlen sich die Vereine aus der Verantwortung und sagen: "Sorry, dumm gelaufen! Aber das sind ja nicht wir, sondern nur unsere Fans, für deren Verhalten wir ja nun wirklich nichts können"

Und deswegen hat man dann irgendwann gesagt, dann müssen die Vereine eben auch für ihre Zuschauer und Fans gerade stehen. Im Prinzip ist dieser Zurechnungsmechanismus mittlerweile absolut sportüblich und eigentlich auch anerkannt. Man darf aber keinen Teilausschluss als Konsequenz daraus ziehen. Bei der Strafzumessung müssen andere, flexiblere Maßnahmen, Strafen und Auflagen her. Darum wird sich zukünftig alles drehen.

Aber was heißt das für die Eintracht, wenn selbst der Richter sagt, die Eintracht hätte nicht mehr machen können?

Ja, was ziehen wir denn objektiv daraus? Die Signalwirkung ist doch: Alles, was Ihr macht, wird Eurem Verein zugerechnet. Mit Fehlverhalten schadet Ihr Eurem Verein, selbst wenn der alles richtig gemacht hat. Die Fans werden also in die Mitverantwortung gezogen, das jedenfalls erhofft man sich sicherlich. Und ehrlich: ist das denn zu viel verlangt?

Beispiel: Uns hat gegen Karlsruhe nicht das Rauchpulver geschadet. Uns hätten auch nicht die fünf oder sieben bengalischen Fackeln fürchterlich geschadet. Uns hat geschadet und das Genick gebrochen, dass Leuchtspurmunition eingesetzt wurde, dass das Ganze ein Böllerfeuerwerk geworden ist, das da in den Innenraum geworfen wurde, und die Ordner unmittelbar gefährdet hat. Das hat den Teilausschluss bewirkt, nicht die Bengalos. Die Grenzüberschreitung war es. Die fahrlässige Inkaufnahme schwerwiegendster Verletzungen. Auch dass 400 unserer Leute wie die Vandalen die Kassenanlage gestürmt haben. Also, das ist die letztlich legitime Botschaft: Was Ihr da anrichtet, schadet Euerm Verein - und Euch!

Und natürlich dürfen wir nicht vergessen, es war ja nicht das erste Mal bei uns. Es ist ja bei uns eine ganze Latte. (hält einen dicken prallgefüllten Leitz-Ordner hoch) Von 2001 bis 2009 hatte ich 3 Ordner. Seit 2009 jeweils ein kompletter Ordner pro Saison. 34 Spiele, 30 Stellungnahmen. Und das ist nicht viel Papierkram. Das sind 2-Seiter, meine Stellungnahmen 6-Seiter. Das ist doch absurd! Es vergeht kein Spiel mehr, bei dem ich nicht anschließend den Sonderbericht des Schiedsrichters auf dem Schreibtisch habe. Wozu? Warum? Wer erinnert sich anschließend noch an die kumulierten fünf bis sieben Minuten Spaß, die so ein paar Bengalos pro Saison bringen. Ich denke letztlich, bevor man sich über die bösen Urteilsverhänger beschwert, kehrt man erst mal vor der eigenen Haustür. Und wenn wir vor der eigenen Haustür kehren, haben wir eine Menge Schutt, und damit meine ich nicht die Leute, sondern die Probleme, die wir zu lösen haben.

Die DFB-Sportgerichtsbarkeit beschäftigt sich nicht mehr mit gelben und roten Karten, oder mit Fußballmanipulationsskandalen und Lizenzierungskriterien, sondern zu 80% mit Fanfehlverhalten und rückt dadurch in eine Rolle, die sie zu einem politischen Instrumentarium des Fußballs machen. Das wollen die gar nicht. Und dann kommt dabei raus, dass die in der zweiten Juniwoche die sieben Anträge beschließen, die fast alle gleichlautend sind: Geisterspiel Düsseldorf und Karlsruhe, Teilausschluss Köln, Berlin und wir, und der Rest kommt gerade so mit einer Geldstrafe davon. Und die waren auf den Mann genau und auf den Euro genau mit der gleichen Begründung verhängt. Dass das nicht stand hält und jedem Anwalt zerpflückt werden kann, ist doch klar. Trotzdem ist es UNSER Problem. WIR müssen uns darum kümmern. Übrigens stört das Gezündel mitten im Spiel auch die Spieler auf dem Rasen. Die denken doch schon: "Geht das schon wieder los? Jetzt wird wieder nur darüber geschrieben und gesprochen und nicht über unser Spiel. Lasst uns doch einfach mal ein Spiel in Ruhe zu Ende bringen."

Glaubst Du dass die Stehplätze abgeschafft werden?

Nein! Dafür gibt es immer zu gute Sachargumente. Die Dinge ereignen sich, wenn man von Meistern, Pokalsiegern und Absteigern absieht, in der Regel auswärts. Es ist en vogue, wenn überhaupt, dann dem Gegner die Hütte kaputt zu hauen, und nicht das eigene Wohnzimmer. Jedenfalls für die Abschaffung der Heimstehplätze gibt es doch statistisch gar kein Argumentationsfutter.

Aber ich glaube, insgesamt ist die Abschaffung der Stehplätze nicht die Lösung des Problems.

Wurden Aachen und Karlsruhe dafür bestraft, dass wir dort gezündelt haben. In der Zeitung steht ja immer wieder, dass der Heimverein wegen der mangelhaften Ordnungsdienste bestraft wird.

Das ist schon länger nicht mehr gängige Praxis. Seit zwei oder drei Jahren ist das so, dass es eher eine Gesamtstrafe für die Summe mehrerer Vorfälle gibt und die ins Gewicht fallenden Vorfälle sind zumeist die, an denen eigene Fans beteiligt sind. Bei unseren Heimspielen gibt es Probleme nur mit Becher- oder Münzwürfen z.B. auf gegnerische Spieler im Eckfahnenbereich. Da wird´s dann aber auch richtig teuer.

Eigentlich können wir uns über die Rechtsprechung und die Strafzumessung, von den Teilausschlüssen, die wir nicht für richtig halten, mal abgesehen, nicht beschweren.

Hier könnte jetzt stehen, dass Philipp Reschke jetzt wichtige Vorbereitungen für das Spiel gegen Leverkusen treffen musste, und das Interview deshalb so abrupt endet. Aber in Wirklichkeit wurde aus dem Interview ein nettes privates Gespräch, dessen Inhalt Euch nicht weiter zu interessieren hat.

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