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Ausgewählte Interviews

Maurizio Gaudino, Jay Jay Okocha und Andere: "Best of Interviews" der ersten 100 Ausgaben

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Andreas Möller wird von seiner Frau nicht mit ins Kino genommen, Ralf Weber ärgert sich über Uli Steins Auftreten, Jay-Jay Okocha überschlägt sich beim Thema "Arbeitsverweigerung" unter Heynckes, Rolf Heller schildert die Überlegungen bei der Trainersuche, Alex Schur redet über seine Zeit im Fanblock, Jürgen Grabowski äußert sich zum Matthäus-Foul und zur Enttäuschung über die Vereinsmitglieder vieles mehr gab es in den Fgv-Interviews zu lesen


(jh) Die Fgv-Interviews sind ein Fundus für sich. Man glaubt nicht, was sich hier alles so abgespielt hat. Werfen wir einen Blick in diesen Teil der Fgv-Geschichte und beginnen mit einer Frage aus dem allerersten Fgv-Interview, die nur Kalli Adolphs stellen konnte.

Interview mit Eintr.-Geschäftsführer Rainer Schäfer, von Kalli Adolphs (Fgv Nr. 1, Oktober 1991)

G-Block-Fans hören gerne Heavy-Metal-Musik u.a.. Welche Musikrichtung bevorzugen Sie? Würden Sie mit Tochter/Sohn ein Alice Cooper-Konzert besuchen?

Hier war ungewöhnlicherweise nur die Frage das Interessante, nicht die Antwort - springen wir weiter:

Interview mit Ex-Trainer und BILD-Kolumnist Max Merkel, von Kalli Adolphs (Fgv Nr. 4, Februar 1992)

Einige Trainer gehen mit ihrer Mannschaft vor einem wichtigen Spiel zur Entspannung ins Kino. Welchen Film würden Sie ihrer Mannschaft zeigen?

RAMBO! Der macht scharf.

Das hat Max Merkel tatsächlich geantwortet. Festzuhalten bleibt aber: Nach dem Kino scheint Kalli gerne zu fragen:

Interview mit Eintracht-Spieler Andreas Möller, von Kalli Adolphs (Fgv Nr. 6, Mai 1992)

Wann warst Du das letzte Mal mit Deiner Freundin im Kino? Welchen Film habt Ihr gesehen?

Meine Frau nimmt mich nie mit, ich würde ja gerne. Als alter James Bond-Fan mag ich am liebsten Spionagefilme. Ich kann mich im Kino nicht benehmen.

Und er kommt nicht vom Kino los:

Interview mit Trainer-Ehefrau Jelena Stepanovic, von Kalli Adolphs (Fgv Nr. 10, November 1992)

Kaffeekränzchen mit den Spielerfrauen, wie oft machen Sie so etwas? Bekommt Ihr Mann für die Zeit dann eine Kinokarte geschenkt?

Nun, konzentrieren wir uns wieder auf Fragen, bei denen dann auch die Antworten interessant sind:

Interview mit Eintr.-Spieler Ralf Weber, von Michael Gabriel und Jörg Heinisch (Fgv Nr. 31, März 1995)

Gab es eigentlich in Offenbach verbunden mit Deinem Wechsel gerade zur Eintracht irgendwelche Probleme?

... Ich bin nach dem Wechsel natürlich noch ab und zu mal auf den "Berg" gegangen, und da haben dann die gleichen Leute, die mich nach dem Sieg gegen Essen, als wir den Klassenerhalt schafften, gefeiert haben, mit den Handschlag verweigert ...

Welcher Verein war denn als kleiner Junge Dein Favorit?

Oh je. Ich weiß noch, daß ich mal mit `nem Gladbach-Schal rumgelaufen bin, dann mal mit `nem Köln-Täschchen, aber die Eintracht war damals als kleiner Junge nicht unbedingt mein Wunschverein. Das ist aber auch klar. Wenn du so früh nach Offenbach gehst, wird dir das irgendwie eingefräßt, daß der OFC das Beste und die Eintracht das Schlechteste ist.

Findest Du im Nachhinein den Rauswurf von Uli Stein noch richtig?

... Ich war der Meinung, daß die Mannschaft - mal kraß ausgedrückt - unter dem Uli gelitten hat. Was da im Training und auch noch während dem Spiel gelaufen ist, bekommt man ja von außen gar nicht mit. Es ist ja nicht so, daß da harte Worte gefallen sind, da hat jemand was dagegen, aber Beleidigungen in der Art, wie sie der Uli ausgesprochen hat, dürfen meiner Meinung nach nicht akzeptiert werden ...

Interview mit Eintracht-Spieler Thorsten Legat, von Michael Gabriel (Fgv Nr. 32, April 1995)

... wie war das mit diesem Vorfall, erzähl' doch mal!

Nach der Rückkehr aus Turin hat mich meine Frau vom Flughafen abgeholt. Wir sind nach Hause gefahren und haben unseren Wagen in der Tiefgarage abgestellt. Meine Frau und ich sind dann hoch gegangen - da standen da drei Typen mit Bierpulle in der Hand und `ner Eintracht-Fahne ins Gesicht gemalt. Na gut, zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, ein bißchen mulmig war uns aber schon bei der Uhrzeit, es war ja schon nach 1 Uhr nachts. Dann fragt mich einer auf so `ne ganz primitive Art: "He Legat, sag mal, warum der Heynckes den Okocha ausgewechselt hat?" Ich habe ihm geantwortet, daß ich keine Lust hätte, darüber zu sprechen und daß ich gerne meine Ruhe hätte. Danach wen-dete ich mich meinem Haus zu und dann ist es passiert. Da hält mir einer `ne Pistole vor den Kopf. Hab' natürlich erst mal einen riesigen Schreck bekommen, die Tasche fallen gelassen, und meine Frau ist mit einem Schrei nach oben gerannt. Ich habe die dann gefragt, was der Blödsinn denn solle, meine Frau würde eh die Polizei holen. Da haben die Angest bekommen und sind zum Glück abgehauen. So ähnlich läuft das schon die ganze Zeit. Seit Juventus gab es noch andere Vorfälle. Mein Auto ist beschädigt worden und meine Fenster-scheiben sind beschmiert worden. ... Ich warte ab, ob noch weiter was passiert. Und wenn, dann höre ich auf in Frankfurt. Das hat mit Sport nichts zu tun, das ist der reinste Terror.

Das Interview mit Jay-Jay Okocha fand so große Beachtung, daß es sogar eine große überregionale Zeitung übernommen hatte:

Interview mit Eintracht-Spieler Jay Jay Okocha, von Michael Gabriel und Jörg Heinisch (Fgv Nr. 40, Dezember 1995)

Jay Jay, wie hast du in Nigeria gelebt? Wie hast du angefangen, Fußball zu spielen?

Ich spiele Fußball seit ich gehen kann. Der Fußball ist in Nigeria die Hauptsportart. In jeder Ecke wird gespielt, und so habe ich auch angefangen. Ich habe in Nigeria 17 Jahre gelebt und dort auch das Abitur gemacht, habe aber fast immer nur Fußball gespielt. An das Geldverdienen habe ich dabei nicht gedacht. Bei uns kann man nicht nicht so viel Geld durch Fußball verdienen. Da wir Geld brauchen, um leben zu können, spiele ich jetzt hier (in Europa) Fußball.

Mit 17 aus der Heimat wegzugehen, das stellen wir uns ganz schön schwer vor. Wie hat sich das bei dir entwickelt?

Das war ganz schön schwer, vor allem mit der Sprache. Ich habe keine Freunde gehabt, aber trotzdem gemerkt, daß ich eine gute Zukunft haben kann und daß wenn ich gut spiele, irgendwann mal nach oben komme, um mein Leben dann mit Streß zu verdienen. Ich habe mich durchgebissen und weiter-gemacht. Weil ich alleine war, haben mir natürlich Leute in Neunkirchen geholfen.

Neunkirchen war deine erste Station in Deutschland. Wie bist du dort hingekommen?

Nachdem ich mein Abitur geschafft habe, durfte ich mir (als Abitursgeschenk) ein Land aussuchen, wo ich hinfliegen konnte. Ich habe Deutschland ausgesucht, weil es 1990 Weltmeister wurde. Ich bin hierher gekommen und habe einen Freund besucht, der mit mir in der Jugendnationalmannschaft war und dann in Neunkirchen spielte. Ich habe mit seiner Mannschaft trainiert, woraufhin die mir gesagt haben, daß sie mich gerne haben würden. Ich war froh, weil ich auch von meinen Eltern wegwollte. Obwohl Neunkirchen ein bißchen zu weit (von den Eltern in Nigeria) war, war das eine Möglich-keit, alleine zu sein. So bin ich dort geblieben.

Dein Weg ist ja nicht der normale Weg, um als Afrikaner nach Europa zu kommen. Beim Afrika-Cup oder bei Jugendweltmeisterschaften kommen Spielervermittler in Scharen an, um teilweise sogar komplette afrikanische Jugendnationalmannschaften nach Europa zu holen. War es für dich ein Vorteil, daß du unabhängig von Spielervermittlern hierher gekommen bist und nicht vorher einen Vertrag mit einem Spielervermittler unterschrieben hast? Wir haben oft den Eindruck, daß die Spieler in den Verträgen nicht so gut behandelt wer-den, als wenn sie hier verhandeln könnten.

Bevor wir hierher kommen, wissen wir gar nicht nicht, wie Verträge hier gemacht werden. Der Vermittler macht das einfacher für uns. Wenn junge Spieler keine Ahnung haben, betrügt der Vermittler auch schon. Ich habe Glück gehabt, daß ich nicht so einen Verein bekommen habe. Ich habe erst später, als ich schon hier war, einen Manager genommen.

Es wird oft von Hierarchien in der Mannschaft gesprochen. Bei Stepi bist du öfter gebracht, dann öfter ausgewechselt worden, bei Toppmöller auch, weil du mit "dem" Offensiven nicht spielen könntest. Mittlerweile bist du die wichtigste Figur im Offensivbereich der Eintracht, das macht es dir dann auch leichter auf dem Feld?

Das stimmt. Bei Stepi habe ich gespielt, er hat mich hochgebracht. Aber Toppmöller und Heynckes ... Es war wohl schwer, einem (heute) zweiundzwanzig-jährigem die Verantwortung zu geben, die dachten wohl, es wäre zu früh, ich müßte erstmal laufen und kämpfen. Die haben mir nicht getraut. Ich hatte nicht das Gefühl, daß die mich verbessern wollten. Es hätte ja gereicht, mit mir zu reden. So wußte ich nicht, was ich verbessern kann. Ich habe erst durch Zeitungen erfahren, daß ich nicht spiele.

Wie ist diese Arbeitsverweigerungs-Geschichte passiert, in die du mit hineingerutscht bist?

Ärger paßt nicht zu mir! Ich habe nie mit jemandem Ärger gehabt! Wenn ich das Gefühl habe, daß man mich nicht als Mensch behandelt, dann muß ich etwas dagegen machen. Ich habe bei Heynckes vorher keine Probleme gehabt, nicht oft gespielt, aber nie etwas gesagt (wie bei Toppmöller). Ich habe damals am Donnerstag ein UEFA-Cup-Spiel gemacht (gegen Neapel) und Sonntag ein Punktspiel gehabt (in Duisburg), und ich habe schlecht gespielt, die Mannschaft zwar auch, aber ich sage, ich habe schlecht gespielt! Die Presse und die Fans haben gefordert, daß Heynckes mich spielen läßt. Nach dem Spiel hat Heynckes in einem Interview gesagt, daß nun alle gesehen hätten, wie ich gespielt hätte, daß ich nicht einmal die richtigen Stollen angehabt hätte. Ein Spieler, Legat, hat mich sogar in der Öffentlichkeit kritisiert, daß wenn ein Spieler nicht weiß, welche Stollen er zu nehmen hat, dies Landesliga oder A-Klasse wäre. Das hat mir nicht gefallen. Ich habe noch nicht gehört, daß ein Spieler einen anderen in der Öffentlichkeit kritisiert. Ich bin zu Heynckes gegangen und habe ihm gesagt, er als Trainer darf jeden kritisieren, aber es ist nicht gut, daß die eigenen Kollegen mich in der Öffentlichkeit kritisieren. Außerdem haben wir jemanden, der

sich um die Schuhe kümmert. Er hat mir gesagt, ich müßte am Dienstag wieder in der Nachwuchsrunde spielen, da ich am Sonntag schlecht gespielt hätte. Ich habe nichts gesagt, weil es ja schon vorkommen kann, daß man in fünf, sechs Tagen drei Spiele macht. Ich habe auch das Spiel mitgemacht, war Mittwoch und Donnerstag im Training. Freitag ist normalerweise lockeres Training, bevor wir ins Hotel gehen. Wir spielten dann immer in zwei oder drei Gruppen 6 gegen 2. Nach dem Training hat er (Heynckes) dann angefangen zu schreien und gesagt, unsere Gruppe (mit Yeboah, Gaudino und Okocha) hätte 6 gegen 2 nicht gut gemacht. Deshalb gäbe es für uns drei - nicht die Gruppe, das sind acht Spieler! - ein Mittagstraining. Wir haben nichts gesagt, die anderen Spieler aber: "Ist der verrückt geworden? Was macht der denn?". Er hat uns dann zum Waldlauf mitgenommen. Der Lauf war leicht, weil Heynckes versucht hat, mit durchzuhalten. (Jay Jay kann sich ein leises Lachen nicht verkneifen.) Er hat dann gesagt, wir würden uns im Hotel treffen. Yeboah hat angefangen zu sagen, er würde nicht kommen. Als wir dann zur Kabine gingen, habe ich ihm gesagt, ich kann nicht spielen. Ich hätte Angst davor, weil die Woche für mich zu schwer war (Spiele Do/So/Di + Training + Straftraining + die viele Kritik); so eine Woche hätte ich noch nie erlebt. Ich bin (war) noch 21, und da habe ich noch Angst, zu spielen, weil ich genau wußte, daß ich schlecht spielen würde - ich hatte kein Selbstvertrauen - gar nichts! Es wäre besser für mich, wenn ich zu Hause sitze. Er hat mich zum Arzt geschickt, dem habe ich erzählt, daß ich kein Selbstvertrauen habe und Angst habe, zu spielen. Er hat mir ein paar Tabletten zum Aufbauen gegeben. Dann ist der Masseur zu Heynckes gegangen und hat ihm gesagt, ich hätte Kopfschmerzen. Heynckes hat mich zu ihm gerufen und gefragt, ob ich Kopfschmerzen hättee. Ich habe gesagt, ich hätte keine Kopfschmerzen, ich hätte kein Selbstvertrauen, kein Selbstbewußtsein. Er fragte, was ich dem Masseur gesagt hätte. Ich sagte ihm, genau das gleiche, was ich ihm (Heynckes) gesagt hätte. Dann habe ich gesagt: "Ist mein Deutsch so schlecht, daß ich den Unterschied zwischen Kopfschmerzen und Selbstvertrauen nicht kenne?" Ich habe ihm die Tabletten gezeigt, die nichts mit Kopfschmerzen zu tun hatten. Was versucht der mit mir zu machen? Dann hat er gesagt, ich solle nach Hause gehen. Ich war auch am nächsten Tag im Stadion und habe das Spiel angesehen. Am Sonntag hieß es dann "Arbeitsverweigerung - neuen Verein suchen!"

... Wie lernst du in Frankfurt Frauen kennen?

Das ist schon einfacher für mich. Die kennen mich und machen das ganz leicht für mich (Jay Jay lacht).

Mitte März 1996, wenige Wochen vor dem ersten Abstieg der Eintracht wird Nationalkeeper Andreas Köpke interviewt:

Interview mit Eintracht-Spieler Andreas Köpke, von Michael Gabriel und Jörg Heinisch (Fgv Nr. 42, März 1996)

Dieses Jahr geht's wohl gegen den Abstieg?

Das sehe ich nicht ganz so. Aber nach oben wird's nichts mehr werden. Die Mannschaft, die da oben mitspielen könnte, die haben wir dieses Jahr nicht, das sollte man realistisch sehen.

Einige Fans haben den Eindruck gewonnen, daß du dich nicht so sehr mit dem Verein identifizierst. Hast du dich mit dem Verein näher beschäftigt? Kennst du namentlich z.B. einen Spieler aus der Meistermannschaft?

Die Frage überrascht mich jetzt. Ich identifiziere mich absolut mit dem Verein, sonst wäre ich nicht stinkesauer, wenn wir verlieren würden. Dann wäre mir das alles im Grunde genommen sch.... egal.

Interview mit Eintracht-Spieler Maurizio Gaudino, von Jörg Heinisch (Fgv Nr. 49, November 1996)

Die Eintracht war in Deiner Jugend neben Napoli Dein Traumverein - kann man das heute auch noch sagen? Ist das ein Grund dafür, daß Du mit der Eintracht in der 2. Liga spielst?

Ja, das kann man sagen. Mich verbindet irgendwas mit der Eintracht. Ich könnte nicht spontan sagen was, aber da ist innerlich ein Gefühl, das mir Freude bereitet, in diesem Trikot zu spielen. Als ich in England und Mexiko war, gab es immer Tage, an denen ich auf die Traingseinheiten gewartet habe oder vorm Fernseher gesessen habe, wo ich an die Zeiten gedacht habe, wie das bei der Eintracht war, als ich da unten mit dem Trikot in Stadion gelaufen bin -

das fasziniert mich einfach. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß die Eintracht immer einen guten Namen gehabt hat und ich in der Jugend auch immer ein bißchen für die Eintracht geschwärmt habe. Obwohl ich sechs schöne Jahre in Stuttgart hatte, verbindet mich hier mehr.

... Ralf Weber war ja nicht einmal beim Kaderfoto-Termin zu Saisonbeginn dabei, weil ihm kein Verantwort-licher Bescheid gegeben hat.

Ich wußte gar nicht, warum er gefehlt hat. Ich vertröste mich dann wieder damit, daß das typisch Eintracht ist. Wenn ich mich über jede Sache ärgern würde, die passiert, dann hätte ich nicht zurückkommen dürfen. Das ist halt Eintracht. Solche Sachen passieren bei uns, bei anderen Vereinen nicht. Aber das ist alles nur menschlich.

Ende der Achtziger hat man in Frankfurt vom Fußball 2000 gesprochen. So ändern sich die Zeiten! Dein größter sportlicher Erfolg (Deutsche Meister-schaft'92) steht in enger Verbindung mit einem an Ralf Weber verursachten, aber nicht gegebenen Elf-meter, der die "Ein-tracht 2000" ihrerseits die Meisterschaft ge-kostet hat. Hast Du Dich damals als ver-dienter Deutscher Meister gefühlt? (VfB gewann Spiel und Meisterschaft nur duch unberechtigten Elfmeter)

Ich denke, das gleicht sich immer über die ganze Saison aus - berechtigte Elfmeter, un-berechtigte Elfmeter. Ich weiß aber, was Stuttgart damals das ganze Jahr geleistet hat, eine Mann-schaft die vom Potential eigentlich schwächer war als Frankfurt. Auch wenn der Elfmeter zum 1:1 in Leverkusen nicht berechtigt war, wie haben dann mit zehn Mann das 2:1 gemacht, das spricht ja auch für die Mannschaft. Ich sehe mich in jedem Fall als Deutscher Meister. Frankfurt hat es ver-säumt, zu Hause gegen Bremen alles klarzu-machen - die waren ja mehr als besoffen!

April 1994: Klaus Toppmöller und Uli Stein werden bei der Eintracht rausgeworfen. Was hat das damals für Dich bedeutet?

Das war sehr schmerzhaft. Von dem Tag wollte ich eigentlich auch von der Eintracht weg. Das war eine Phase, in der ich von meinen eigenen Mitspielern sehr enttäuscht war. Viele waren gegen Uli Stein, weil der sich auf dem Platz aufgeregt hat, was auch immer mit Recht passiert ist, was einige aber nicht verarbeitet haben. Wenn man die Entwicklung der Eintracht heute zu dem Tag zurückdrehen könnte, wären alle dafür. Das würde heute niemand mehr tun, was damals gemacht wurde. Das war der Anfang vom Ende. Und damals wollte ich auch nach Lautern. Intern wußten wir schon, daß Heynckes so gehandhabt wird. Und deswegen gab es damals auch die ganzen Probleme. Ich habe einfach gedacht, ich kann mit der Mann-schaft. Wenn ein Spieler zu mir kommt und sagt, wir müßten Unterschriften gegen Uli Stein sammeln. Dann finde ich das nicht korrekt. Das weiß die Öffentlichkeit ja gar nicht. Ihr wißt so viel nicht! Wenn ich das alles raushauen würde, ... aber ich behalte es immer noch für mich. Es wurde soviel gegen Uli geschürt, was ich nicht verstanden habe. Ob ich ihn leiden kann oder nicht, es ist mein Kollege. Der hat den selben Job wie ich, und der hat auch ein Familie zu ernähren. Deswegen schieße ich ihn nicht ab!

Interview mit Eintracht-Trainer Horst Ehrmantraut, von Jörg Heinisch (Fgv Nr. 56, August 1997)

Hat der für Stepi finan-ziell wertvolle Spruch "Lebbe geht weider" den Spielern nicht die Entschuldigung oder Ausrede für alle schlechten Leistungen im Jahr 1996 geliefert und somit eigentlich mehr Schaden ange-richtet?

Das kann sein. Solche Aussagen kann man ja mal machen, aber wenn das zum Leitsatz für einen Menschen wird, dann gibt man als Verantwortlicher seinen Spielern eine gewisse Überzeugung weiter. Wenn ich dann als Trainer so leichtfertig mit solchen Sätzen umgehe, bleibt das eine oder andere schon bei den Spielern haften. Solche Sätze birgen eine gewisse Gefahr in sich.

Eine grundsätzliche Frage: Wenn ein Trainer eine Mannschaft nicht mehr motivieren kann, und der Erfolg dann auch aus bleibt, steht der Trainerwechsel praktisch bevor, da es eben einfacher ist, einen Trainer statt einer Mannschaft auszuwechseln. Stimmen Sie dem zu? Was kann der Trainer denn dann noch tun? Müßte er - sobald er merkt, daß er die Spieler nicht mehr motivieren kann - nicht gleich seinen Posten zur Verfügung stellen?

Ich finde es ganz traurig, daß ein Trainer heute kaum mehr die Möglichkeit hat, etwas aufzubauen. Du kommst irgendwo hin, und mußt aus einer mißlichen Situation etwas Gutes oder aus einer positiven noch etwas Besseres machen. Du hast keine Zeit mehr zum Aufbau. Wo arbeitet ein Trainer noch drei Jahre bei einem Verein? Das ist ja die absolute Ausnahme. Die Möglichkeit zur soliden Aufbauarbeit ist kaum noch gegeben. Traurig finde ich, daß die Medien immer auf den Trainer einschlagen oder daß den Spielern das Alibi gestattet wird, der Trainer kann uns nicht mehr motivieren. Ausreden, alles Ausreden. Und ich werde fuchsteufelswild, wenn ein Spieler so etwas sagt. Ich bin doch kein Pausenclown. Ich bin dazu da, gute Arbeit zu leisten, den Spielern was beizubringen, nicht nur im Körperlichen, auch im Geistigen, damit die Spieler wissen, daß sie einen extrem wichtigen Job haben, daß Millionen draußen oder an den Fernsehschirmen sitzen, daß tausende Fans sich finanziell aufopfern, um die Eintracht zu sehen. Verdammt nochmal, da haben die Jungs die Pflicht, sich selbst zu motivieren.

Der Interviewgast genießt trotz einzugestehender Fehler auch nach 100 Ausgaben Fgv noch einen guten Ruf unter den Fans:

Interview mit Eintracht-Präsident Rolf Heller, von Klaus Bienert, Henrich Götz und Jörg Heinisch (Fgv Nr. 58, Oktober 1997)

Wie kamen Sie auf Horst Ehrmantraut als Trainerkandidaten?

Nach dem Spiel gegen Kaiserslautern stand für mich fest, daß wir mit Stepanovic den Klassenerhalt nicht schaf-fen. Stepanovic hatte zwar noch eine kurze Erfolgsserie gehabt mit den Spielen in Berlin, gegen Essen und Wolfsburg. In der Phase - ich war natürlich als Präsident noch nicht stark genug im Verein, um irgendwelche spektakulären Dinge zu tun; da muß man sich ja erst mal persönlich profilieren, um sol-che Strukturen ändern zu kön-nen - hatte ich das Thema eigentlich erst einmal zurück-gestellt. Stepanovic hatte ja durch den kurzen positiven Lauf, den wir hatten, auch noch einen starken Rückhalt bei den Fans. Zumal ich ja als Übergangspräsident, der ich kurzfristig war, in meinem Handlungsspielraum stark ein-geschränkt war. Eine öffent-liche Demontage des Trainers, wie wir sie kürzlich in Mainz oder Köln erlebt haben, kam für mich nicht in Frage. So mußte ich damals in Kaisers-lautern der Presse gegenüber sagen, daß wir zum Trainer stehen und glauben daß er es schafft, obwohl ich innerlich von etwas ganz anderem überzeugt war. Da hatte ich in der Woche schon Kontakt aufgenom-men zu Krautzun, der sich in Kaiserslautern mehr oder weniger selbst angeboten hatte. Krautzun hatte bei einem Gespräch das ich mit ihm geführt hatte einen hervorragenden Eindruck gemacht: konzeptionell und finanziell hätte das sehr gut gepaßt. Im stillen Käm-merlein habe ich mir dann allerdings noch einmal überlegt, daß er überall wo er war, nur ein oder eineinhalb Jahre war - überall hat es dann irgendwie gekracht. Da habe ich gedacht: wenn wir jetzt Krautzun nehmen, dann rettet er uns wahrscheinlich vor dem Abstieg - was in dieser Phase absolute Priorität hatte - aber im Herbst des darauffolgenden Jahres stehen wir wieder vor demselben Problem. Dann bezahlen wir wieder zwei Trainer und suche wieder während einer laufenden Saison einen Trainer, der irgendwo anders gefeuert worden ist. Das wollte ich unbedingt vermeiden. Wir mußten uns also nach anderen Lösungen umschauen. Dann kam das Spiel gegen Oldenburg, vor dem wir eine Verwaltungs-ratssitzung gehabt hatten, und in dieser Sitzung habe ich gesagt, daß wir den Trainer entlassen müssen, da es anders nicht weitergeht - was natürlich auch finanziell eine hochbrisante Entscheidung war, da Herr Stepanovic ja noch eine Ablösung kassierte. Nach dem Oldenburg‑Spiel war das für mich sonnenklar; ich bin in die Kabine und habe gesagt: Stepi, das war's - woraufhin er mich übel beschimpft hat, es sei stillos und so weiter. Die Emotionen sind nach so einem Spiel hochgekocht, da ja auch die Fans randaliert hatten...

Stepi wußte doch anscheinend bereits vor dem Spiel, daß sein Rausschmiß beschlossene Sache war...

Er wußte, daß ich mit Krautzun gesprochen hatte. Man darf natürlich in einem Arbeitsverhältnis, das von einer gegenseitigen Akzeptanz getragen sein sollte - man muß sich ja nicht freundschaftlich verbunden bleiben, aber man sollte sich in einem Arbeitsverhältnis gegenseitig akzeptieren, ich war immerhin sein Arbeitgeber - einen gewissen Stil erwarten. Die Situation war nur so, daß ich handeln mußte, und da kam es nicht auf Stil an - da kam es darauf an, was in der Situation für den Verein das beste war. Das war also Krautzun. Ein weiterer Kandidat war Geyer, bei dem es andere Gründe gab, die ihn als nicht akzeptabel erschienen ließen. Dann hatten wir Reinhold Fanz von Hannover angerufen, der grundsätzlich bereit gewesen wäre, aber Hannover wollte noch eine Abfindung für ihn. Das wäre eine zusätzliche finanzielle Belastung gewesen, schließlich hatten wir die Ablöse für Stepi, Körbel, der zu dieser Zeit auch noch hier in Lohn und Brot war, dann also jetzt noch eine Abfindung ... wir hatten ja damals noch das Problem, daß wir keine Lizenz hatten. Dann kamen noch die, die sich in der Zeitung selbst als Kandidaten ernannt hatten. Da stand dann jeden Tag einer in der Zeitung: Schätty von Egelsbach, Uli Sude von Homburg - vor dem Spiel in Kaiserslautern hatte ich mir ein Spiel in Homburg angeschaut, um einen Spieler zu beobachten, hatte aber mit Herrn Sude überhaupt kein Wort gewechselt. Es waren also tausend Namen im Gespräch: Herget, Maslo und zig Spielervermittler hatten mich angerufen die auch einen Trainer anzubieten hatten. Es war aber auf dem Markt niemand, von dem ich aus jetzt gesagt hätte: das ist er. Ich hätte beispielsweise jemand wie Herrn Lorant genommen, da die Mannschaft in einem desolaten Zustand war und da war eine harte Hand gefragt. So eine Trainerfrage ist ja auch immer sehr stark abhängig von der momentanen Situation. So jemand war also nicht greifbar. Ich habe mich dann beim DFB erkundigt, wer bei Lehrgängen hervorragend abgeschnitten hat. Da wurde mir Herr Skippe vorgeschlagen. Mit ihm hatte ich dann Kontakt aufgenommen und zum selben Zeitpunkt ist mir Herr Ehrmanntraut empfohlen worden. Dann ist folgendes passiert: die Presse war ja wie wild ... vorher war ja noch die Rudi Bommer Geschichte: wir hatten eine Präsidiumssitzung an diesem Montag und einer unserer Präsidiumskollegen sagt, daß wir die Trainerlösung hätten: Dietrich Weise würde es machen, wenn er von der Bank aus steuern könnte und Rudi Bommer den technischen Trainingsbereich übernehmen würde. Wir waren zu diesem Zeitpunkt in der Situation, daß wir etwas auf die Beine stellen mußten, denn die Winterpause nahte und ich wollte unbedingt vor Weihnachten die Trainerfrage gelöst haben. Ich konnte mir das auch vorstellen. Montagabend hatten wir eine Pressekonferenz mit Ver-tretern der Börse, wobei natürlich auch die Trainerfrage aufgeworfen wurde. Da habe ich mich, damals noch relativ unerfahren zu der Äußerung hinreissen lassen, daß wir eine Lösung hätten, aber das müßte noch mit dem Verwaltungsrat abgestimmt werden - diese Sitzung war für Mittwoch vorgesehen - und deswegen könnten wir diese Lösung erst Donnerstag bekannt geben. Wenn man der Presse gegenüber so etwas sagt, dann ... ich hatte also die Katze nicht aus dem Sack gelassen, habe mich aber wahnsinnig unter Zugzwang gesetzt und mußte also bis Mittwoch etwas präsentieren. Für mich war diese Lösung auch die naheliegende. Ich rufe also abends beim Dietrich Weise in Liechtenstein an und habe ihn nicht erreicht - ich rufe daraufhin den Rudi Bommer an und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, das mit Herrn Weise als eine Art Co‑Trainer gemeinsam zu machen. Bommer meinte, daß er sich das vorstellen könne. Ich habe dann gesagt, daß ich noch nicht mit Dietrich Weise gesprochen hätte. Herrn Weise erreichte ich dann erst am nächsten Tag, und der offenbarte mir, daß es so überhaupt nicht gedacht sei: er wolle erst mal sein Haus sanieren im Osten und außerdem sei er noch bis 31.12. in Liechtenstein. Das war also kein Thema mehr, aber ich stand unter Zugzwang. Krautzun wollte bis Mittwoch Bescheid wissen - von allen war Krautzun meiner Meinung nach immer noch der qualifizierteste: im Vordergrund stand immer die Rettung vor dem Abstieg. Mit Herrn Ehrmantraut war ich für Mittwoch verabredet - vertraulich, wie alles hier vertraulich läuft! Damals war ich noch in Erfurt gewesen und auf Anfrage von Journalisten hatte meine Sekretärin gesagt, ich sei nicht da. Auf die Frage, wo ich denn sei, sagte sie, daß ich in Frankfurt sei. Da wußten die: da ist was im Busch. Die Journalisten haben dann meine Sekretärin ausgequetscht und hatten so herausgefunden, daß ich mit dem Zug gefahren war. Als ich am Frankfurter Hauptbahnhof ankam waren die Kameras schon auf mich gerichtet. Ich bin dann aus dem Südausgang raus und in die Straßenbahn gesprungen - und weg war ich! Sie hatten mich dann allerdings zwei Stunden später an unserem Treffpunkt wieder aufgespürt. Dort war ich also mit Herrn Ehrmantraut verabredet, und da hat er einen hervorragenden Eindruck auf mich gemacht. Er hatte eine klare und genaue Einschätzung der Mannschaft, die sich auch mit meiner Überzeugung gedeckt hat. Er hatte ja auch Spiele im Fernsehen von der Ein-tracht gesehen, und all das was er so vorgetragen hatte, hatte ich ähnlich gesehen. Ich hatte gedacht: der sieht das genauso wie ich - ich war mir oft unsicher, ob ich das richtig sehe, aber wir waren in der Beurteilung der Situation auf einer Linie. Er hatte auch Konzepte und Lösungen aufgeführt wie man der Situation begegnen könnte. Für mich war also Ehrmantraut der richtige. Herr Ehrmantraut meinte allerdings, er könne sich heute noch nicht entscheiden, er müsse sich das erst noch einmal überlegen. Jetzt saßen wir also Mittwoch da: Krautzun wollte Bescheid wissen und Ehrmantraut hatte Bedenkzeit erbeten. Ich bin daraufhin das Risiko eingegangen zu sagen: von allen hat mir Herr Ehrmantraut den besten Eindruck gemacht. Ich traue ihm am ehesten zu, das Ganze hier wieder flott zu kriegen. Ich bin also das Risiko eingegangen, Herrn Krautzun abzusagen und von Ehrmantraut etwas Positives zu hören. Daraufhin hat mich die Presse an dem Tag verrissen: der Amateur von der AOK. Der hat noch nicht mal einen Trainer, und bald kommt die Winterpause. Das Chaos setzt sich fort. Im nachhinein bin ich froh, daß ich in der Frage stabil geblieben bin. Auch in anderen Fragen, wie etwa Uwe Bein, was ja auch ein ganz heißes Thema war. Das war ein unannehmbares Kostenvolumen, denn Uwe Bein hatte Vorstellungen wie zu besten Bundesligazeiten und wenn wir Uwe Bein genommen hätten, hätten wir Janßen und Houbtchev nicht verpflichten können. Da bin ich auch von der Presse stark attackiert worden: wie ich denn mit Bein umgehen würde, denn das wäre doch der Hero der vergangenen Jahre ... aber für mich war Uwe Bein nicht der Garant dafür, daß der Mannschaftsteil wo es gehapert hat, nämlich im hinteren Deckungszentrum, wesentlich stabilisiert würde.

Interview mit Eintracht-Spieler Alexander Schur, von Susanne Leister-Schmidt und Matthias Thoma (Fgv Nr. 68, Oktober 1998)

In der Presse ließt man immer, du warst früher aktiver Eintracht-Fan mit Trikot usw. Wie war's wirklich?

Ja, das war echt so. Ich bin da immer mit dem Trikot hingegangen. Anfangs ha-be ich im G-Block gestan-den. Da war es immer recht lustig. Dann wurde das Publikum dort jünger, und da bin ich mit meinen Leuten in den H-Block. Da ging dann auch die Super-Zeit der SGE los, und es wurde Kult, ins Stadion zu gehen. Und im H-Block waren die lustigen Typen, auch Punker. Das war dort ein bißchen St. Pauli, echt ganz angenehm. Zu den Auswärtsspielen bin ich dann auch regelmäßig gefahren, immer mit Kumpels im Auto. Ein paar Dosen Bier hinten rein und los. Das war so die Zeit, als Gaudino bei der Eintracht gekickt hat. Das schlimmste Spiel war das gegen Schalke, als die Eintracht abgestiegen ist. Da waren Spieler auf dem Platz ... . Am liebsten wäre ich runter und hätte mir ein paar von denen geschnappt.

Interview mit Ex-Eintracht-Spieler Jürgen Grabowski, von Matthias Thoma und Dietmar Wörner (Fgv Nr. 72, März 1999)

Können Sie sich vorstellen, bei der Eintracht noch mal irgendeine Funktion zu übernehmen?

Nein, das kann ich mir nicht mehr vorstellen. Ich habe bis 1992 mit Unterbrechung elf oder zwölf Jahre im Verwaltungsrat mitgewirkt. Das war eine runde Sache. Doch dann kamen die falschen Leute. Das war am Schluß eine so deprimierende Situation, daß ich dann 1992 gesagt habe, jetzt ist Ende. Ich habe mir das gut überlegt und das Ganze auch begründet, warum ich zurückgetreten bin. Die gleichen Leute, wegen denen ich zurückgetreten bin, sind dann fünf Minuten später später von der Versammlung einstimmig wiederge-wählt worden. Da macht man sich schon seine Gedanken. Ich wußte, daß ich richtig gehandelt hatte, und ein bißchen mehr Unterstützung hätte ich schon gut gefunden. Die Unterstützung wäre vielleicht ge-kommen, wenn die Eintracht an viertletzter Stelle gestanden hätte, aber aber sie waren Vierter oder Fünfter. Ich bin kein Träumer, wenn die Mannschaft gut steht, zählen Einzelschicksale nicht. Ich habe mir meine Gedanken gemacht, habe mich die letzten sechs Jahre zurückgezogen und beobachte das ganze Geschehen. Der Eintracht bin ich im Prinzip erst wieder nähergerückt, seit die neuen Leute an Bord sind.

Wie war das mit dem Matthäus-Foul?

Das war eine schlimme Sache. Matthäus hatte mich schon in Gladbach fürchterlich aufgebügelt, daß ich gedacht habe WAS IST DENN HIER LOS? Damals war er noch verbissener als heute und hat alles drangesetzt, mich auszuschalten. In Frankfurt hat er mich dann an der Außenlinie so saublöd und dumm verletzt. Ich stand mit dem Gesicht zum Publikum, es konnte überhaupt nichts passieren - da ist er mir ins Bein gesprungen.

Hat er sich entschuldigt? Hatten Sie noch mal Kontakt mit ihm?

Nein, er hat sich nie entschuldigt. Ich komme im Prinzip mit fast allen Leuten gut klar. Aber Leute, die mich unwahrscheinlich enttäuschen, mut denen will ich keinen Kontakt haben. Dazu gehört auch Lothar Matthäus. Er war ein junger Kerl, dem wäre kein Zacken aus der Krone gefallen, wenn er sich bei einem 35jährigen entschuldigt hätte, der seine Karriere beenden mußte und um den UEFA-Cup-Titel gebracht wurde. Das hätte er schon machen können.

Eines der interessantesten und spannendsten Interviews der jeweiligen Zeit war sicherlich jenes mit Herrn Lötzbeier. Es muß allerdings in der ganzen Vollständigkeit und in Bezug auf die damalige Situation betrachtet werden. Hier nur ein Ausschnitt:

Interview mit Geschäftsstellen-Leiter Klaus Lötzbeier, von Steffen Potter (Fgv Nr. 83, März 2000)

Wie beurteilen Sie die Abgänge der Herren Patella und Heller? Waren diese zum jeweiligen Zeitpunkt und in ihrer jeweiligen Form so notwendig gegeben?

(Pause) Das ist eine schwierige Frage, weil ich wahrscheinlich der einzige bin der alle Internas kennt, von daher fällt mir die Frage außerordentlich schwer. Lassen Sie es mich so beantworten: Es gab sicherlich Argumente aus der Sicht des Verwaltungsrates heraus, die dafür sprachen, daß Herr Patella nicht mehr Schatzmeister sein sollte.

Und aus Ihrer Sicht?

Aus meiner Sicht möchte ich das eigentlich nicht bestätigen, ich glaube daß Herr Patella einfach zu wenig Zeit hatte, um die ganzen Dinge im Griff zu behalten. Zu Heller gibt es ein ganz klares "Nein" - Heller wäre zu keinem Zeitpunkt aus meiner Sicht gezwungen gewesen aufzuhören, da stehe ich nach wie vor dazu. Er ist der beste Präsident, den die Eintracht aus meiner Sicht bisher hatte, ein Präsident der mit ganzem Herzen für die Eintracht gearbeitet hatte.

Interview mit Eintracht-AG-Chef Steven Jedlicki, von Jörg Heinisch (Fgv Nr. 96, Juni 2001)

Haben Sie ernsthaft geglaubt, mit einem Wimpel (mit Spielerautogrammen) die Fanproteste in Freiburg beenden zu können?

Nein, aber in dem Moment war ich enttäuscht, aufgeregt und frustriert. Ich wollte irgendwie wieder die Verbindung zur Mannschaft herstellen. Das war eine Spontanreaktion. Ich wollte das Motto unserer Plakataktion "Adler verpflichtet" zum Ausdruck bringen.

Als ob man dem eigenen Kind einen Lolli anbietet.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich bin rausgegangen und habe diskutiert. Ich habe auf die Schulter geklopft und gedacht, es wird besser. Wir wollen alle nur eines: erfolgreich sein.

Man hätte noch so viel mehr im "Best of Fgv-Interviews" abdrucken können - doch das hätte sicherlich den Rahmen gesprengt - da hilft nur: selber in den alten Ausgaben nachschlagen.

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