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Martin Fenin: "Ich passe hierher"

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"Ich passe hierher!"

Interview mit Martin Fenin

Fragen: Jörg Heinisch

(jh) In Frankfurt sind die Zeiten des "Feninismus" ausgebrochen. Alleine angesichts der Ablösesumme entstand eine große Erwartung gegenüber dem tschechischen Jungstar. Und wann schlägt ein Fußballer schon mit so vielen Toren in so kurzer Zeit ein. Seitdem Fenin verpflichtet wurde, war er der große Interviewwunsch der Eintracht-Fans. Das zeigte zumindest die Jahresumfrage von Fgv. Diesen Wunsch haben wir dann auch sogleich umgesetzt…


Du bist nun eineinhalb Monate in Frankfurt. Findest du dich schon in der Stadt und mit dem Umfeld zurecht?

Ja, damit hatte ich von Anfang an keine Probleme. Man kümmert sich hier wirklich toll um mich, die Eintracht hat mir einen Betreuer zur Seite gestellt, der sich um die Wohnung gekümmert hat und mit mir Möbel kaufen war. Es gefällt mir sehr gut hier.

Wenn man als wohl teuerster Neuzugang der Vereinsgeschichte in einen Klub kommt, weiß man, dass die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und letztlich auch der Klubverantwortlichen sehr hoch ist - auch wenn diese Geduld zeigen und Zeit zur Eingewöhnung lassen. Wie gehst du damit um? Ist das für dich eine Belastung?

Davon, dass ich der teuerste Neuzugang gewesen bin, weiß ich nichts. Darüber mache ich mir auch keinen Kopf. Ich möchte einfach nur Fußball spielen und genieße es, hier in Frankfurt vor diesen tollen Fans und in diesem einmaligen Stadion zu spielen. Der Start hier mit vier Toren in zwei Spielen war super, aber ich weiß, dass ich noch viel lernen muss und dass die Bundesliga eine sehr starke Liga ist. Es werden mit Sicherheit auch Spiele von mir kommen, nach denen die Fans nicht jubeln. Ich werde einfach versuchen, in jedem Spiel alles zu geben und dann schauen wir mal, was am Ende herauskommt.

Du hast dich mit den Toren in den ersten Spielen gleich hervorragend präsentiert und machst es dem Trainer damit natürlich schwer, wenn er aus taktischen Gründen oder wegen der Rotation in der Startaufstellung auf dich verzichten "wollte" - im Gegensatz zu den anderen beiden Neuzugängen Caio und Evangelos Mantzios, die erst noch ihre Chancen bekommen und nutzen müssen. Wäre es eine große Enttäuschung, aus den zuvor genannten Gründen mal nicht zur Startaufstellung zu gehören?

Ich werde genau wie meine Kollegen im Training alles geben müssen, um in die Elf zu kommen. Als Fußballer hast du bei keinem Trainer und bei keinem Verein einen Freibrief. Ich denke, nach meinen Toren hier gleich zum Anfang habe ich vielleicht einen kleinen Bonus - mehr aber auch nicht. Mantzios und Caio sind später gekommen als ich und mussten sich folgedessen erst an das Team gewöhnen. Aber auch sie werden bald spielen und auch Tore für die Eintracht machen.

Du hast dich gegen die Möglichkeit entschieden, in der italienischen Liga zu spielen, obwohl Juventus Turin dich verpflichtet und vorübergehend an einen anderen Klub der Serie A ausgeliehen hätte. Das zeugt auch für großes Selbstbewusstsein, wenn man als junger Spieler in "überschaubaren Schritten" empor steigen will. Wie sicher warst du in deiner Entscheidung?

Sehr sicher, denn ich wollte nicht irgendwohin ausgeliehen oder geparkt werden. Außerdem ist die deutsche Bundesliga von den Stadien und den Fans her interessanter als die Serie A. Hier in Deutschland musst du dich auf sehr hohem Niveau Woche für Woche behaupten und kannst sehr viel lernen. Ich denke hinter England und Spanien ist die Bundesliga die drittstärkste Liga Europas.

Wenn man die Krise im italienischen Fußball sieht, begleitet von dem miserablen Zuschauerzuspruch - auch ohne die neuen Sicherheitsauflagen - bestätigt dann nicht der euphorische Rummel um dich, begleitet von dem sowieso schon fantastischem Zuschauerzuspruch hier, deine Entscheidung als in jedem Aspekt besser, als es die italienische Variante gewesen wäre?

Also darüber habe ich mir bei meiner Entscheidung weniger Gedanken gemacht. Bei uns in Tschechien ist es allgemein etwas weniger euphorisch als in Deutschland oder in anderen Ländern. Die Stadien sind älter und wenig komfortabel und die Zuschauerzahlen viel niedriger als woanders. Was ich hier schon festgestellt habe ist, dass man nach einem Spiel fast genauso lange Interviews geben muss, wie man auf dem Platz war.

Die Eintracht hat sich in den letzten Jahren sehr sparsam verhalten und im Prinzip fast alle in diesen Jahren gesammelten Ersparnisse in dich und Caio "investiert", d.h. der Klub baut seine Zukunft sehr stark auf euch Zwei auf. Dabei hat der nur wenige Zeit nach euren Verpflichtungen erfolgte Gerichtsentscheid, wonach Spieler trotz längerer Vertragslaufzeit schon nach zwei bzw. drei Jahre einen Verein für einen am Marktwert bemessenen relativ niedrigen Betrag verlassen können, die Fußballwelt erschüttert. Natürlich kommt die Frage viel zu früh, aber wie viel Angst müsste man in Frankfurt bei dir haben, dass du nicht zu eingegangenen Verträgen stehst?

Ich denke nicht, dass die Eintracht ihre Zukunft nur auf Caio und mir aufbaut, denn sie haben ja noch andere wichtige Spieler langfristig an den Verein gebunden. Amanatidis, Ochs, Russ oder Fink sind ebenfalls sehr wichtige Säulen. Das gesamte Gebilde hier scheint zu stimmen und es wird ein System dahinter stecken. Man baut hier an einer Mannschaft, die eine große Perspektive hat. Das ist sehr reizvoll. Ich bin davon überzeugt, dass Frankfurt in den nächsten Jahren sportlich erfolgreichen Zeiten entgegen gehen wird.

Die Zukunft wird zeigen, wie dein Weg aussieht, die nähere Zukunft scheint zumindest bei der tschechischen Nationalelf klar zu sein. Oder ist die Konkurrenz in Tschechien doch so groß, dass du dir Gedanken machen musste, ob du bei der EM dabei bist?

Ich werde alles geben, um bei der Euro dabei zu sein. Natürlich ist die Konkurrenz groß, denn wir haben hervorragende Spieler in Tschechien. Die Euro ist mein Ziel, aber ich bin noch jung und kann noch einige große Turniere spielen. Ich werde kämpfen, und dann liegt es an Karel Brückner, der den Kader nominiert. Dann werde ich sehen, ob ich dabei bin oder nicht.

Weißt Du, welche Tschechen früher bei der Eintracht gespielt haben? So viele sind es ja gar nicht?

Karel Rada hat hier gespielt. Ansonsten weiß ich nicht, welche Tschechen schon hier waren. (Josef Obajdin spielte noch für die Eintracht, Anm. d. Red.)

Bei wem hast du dich über die Eintracht erkundigt, bevor du dich für Frankfurt entschieden hast?

Mein Berater Miroslav Kadlec hat mir viel über die Bundesliga und die Eintracht erzählt. Er hat in der Bundesliga eine hervorragende Rolle beim 1. FC Kaiserslautern gespielt und hat mir dazu geraten, nach Deutschland zu gehen.

Welche Erwartungen über Frankfurt haben sich für dich jetzt schon bestätigt und welche nicht?

Frankfurt ist eine sehr interessante Stadt, die aber doch nicht so groß ist, wie man denkt. Der Flughafen ist gigantisch und die Hochhäuser in der Stadt sind es auch. Es gibt hier sehr viel grün, und die Leute hier bei der Eintracht sind alle sehr nett und bemüht um mich. Ich passe hierher - dass habe ich gemerkt. Ich fühle mich wohl. Ich freue mich auf die nächsten Jahre bei und mit der Eintracht.

Vielen Dank für das Interview!

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