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Ausgewählte Interviews

Interview mit Thomas Förster, Vizepräsident und Schatzmeister Eintracht Frankfurt e.V.

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Im Januar hat das Ausmaß der finanziellen Probleme von Eintracht Frankfurt e.V. durch die Mitgliederversammlung die Öffentlichkeit erreicht. Im Februar hat uns Schatzmeister Thomas Förster die Gelegenheit gegeben, diesbezüglich nachzufragen.

 


(dc/ak) Guten Tag Herr Förster. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.

Für viele Fans sind Sie noch ein unbeschriebenes Blatt, deshalb würden wir gerne erst einmal von Ihnen wissen, wie Sie zur Eintracht und zu Ihrem jetzigen Posten gekommen sind.

Privat gehe ich bereits seit über 50 Jahren zur Eintracht. Ich habe in einem kleinen Dorfverein selbst Fußball gespielt, und bin seit meinem sechsten Lebensjahr mit meinem Großvater ins Stadion gegangen. Erst 2004 bin ich dann Mitglied geworden.

 

Unabhängig davon ist die Firma „Bader · Förster · Schubert“, bei der ich Partner und Gründungsgesellschafter bin, als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer von Eintracht Frankfurt beauftragt worden, sowohl den Verein als auch die Fußball AG steuerlich zu beraten.

Im Jahr 2012 wurde ich dann zum ersten Mal gefragt, ob ich nicht bereit sei, das Amt des Schatzmeisters zu übernehmen. Das habe ich damals abgelehnt, weil ich beruflich sehr eingespannt war. Als im vergangenen März mein Vorgänger starb, wurde ich noch einmal intensiv befragt. Und da habe ich zugesagt.

 

Wie können wir uns eine „intensive Befragung“ vorstellen. Hat das was mit der sprichwörtlichen „Pistole auf der Brust“ zu tun?

Nein. Man hat mir deutlich gezeigt, dass man sich sehr freuen würde, wenn ich das Amt des Schatzmeisters übernehmen würde. Da ich bereits vorher einen guten Einblick hatte und die Situation keine einfache war, war man der Meinung, dass es die beste Lösung wäre. Ich vertrete die Auffassung, dass man nicht nur nehmen, sondern auch geben sollte. So habe ich eben – trotz weiterhin  starker beruflicher Belastung - Ende April letzten Jahres den Posten des Schatzmeisters übernommen. Und die Arbeit für mich war weitaus schwieriger, als ich es mir damals vorgestellt habe.

 

Das wäre gleich unsere nächste Frage gewesen. Das ist doch eigentlich fast schon ein Full-Time Job.

Mehr als das! Ich habe bereits bei der Mitgliederversammlung offen geschildert, welche Situation ich bei der Amtsübernahme vorfand. Die Lösungsfindungen gestalteten sich daher aus verschiedenen Gründen weitaus schwieriger, als ich zunächst gedacht habe.

 

Es gab ja angeblich in der Vergangenheit immer Spannungen zwischen der AG und dem e.V. Jetzt haben wir ja mit Axel Hellmann einen e.V.-Mann im Vorstand, der noch dazu für die Finanzen zuständig ist. Wie sieht dieses Verhältnis jetzt aus? Ist das Miteinander besser als sein Ruf?

Hier muss man differenzieren: Zunächst einmal bestehen vertragliche Beziehungen zwischen dem Verein und der Fußball AG, und diese Verträge gilt es zu erfüllen.

Gleichzeitig hat sich die Zusammenarbeit zwischen e.V. und Fußball AG in den letzten zwölf Monaten deutlich verbessert – und das auf allen Ebenen. Eine noch engere Verzahnung wird von vielen Seiten vorangetrieben. Aber wir haben mehrere Gremien. Da gibt es nicht immer nur eine, sondern viele Meinungen. Und nicht alle innerhalb der Eintracht-Familie haben das Ziel, eine enge Vernetzung zwischen Mutter und Tochter zu fördern.

 

Nach wie vor?

Ja. Ich wüsste auch nicht, warum sich das geändert haben sollte, denn die handelnden Personen sind immer noch die gleichen. Es bestehen gegenüber dem Verein nach wie vor gewisse Bedenken, die wir aber durch mehr Transparenz und durch kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit beseitigen können. Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, können wir jedoch nicht von heute auf morgen korrigieren. Meine persönliche Meinung ist aber, dass es nur in der engen Verzahnung zwischen Fußball AG und e.V. geht. Für mich gibt es auch keine sachlichen Gründen, warum das nicht der Fall und möglich sein sollte. Emotionale gibt es natürlich immer.

 

Aber ich habe eines gelernt: Man kann jammern und machen, was man will. Am Ende des Tages zählt jedoch nur, dass man ein vernünftiges Ergebnis für die Zukunft erzielt. Und das muss unsere Aufgabe sein. Ich bin immer noch der Meinung, dass man, wenn man Hand in Hand arbeitet, hier richtig was auf die Beine stellen kann, und wenn man gegeneinander arbeitet, immer jemand verliert.

 

Es ist uns auch klar, dass viele negative Entwicklungen schon vor Ihrer Zeit ins Rollen gekommen sind, aber vielleicht können Sie uns hier trotzdem weiter helfen: Wissen Sie, wann der Verkauf der Aktien an die BHF-Bank stattgefunden hat?

Das wurde im Januar dieses Jahres umgesetzt.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte die AG doch relativ hohe außerordentliche Einnahmen aus dem DFB- und dem Europa-Pokal generiert. Da hätte die AG doch auch relativ problemlos das Paket von 1,25 Millionen Euro stemmen und selbst die Anteile erwerben können?

Das stimmt so nicht! Ich muss dazu etwas ausholen, um alles korrekt zu erläutern. Zunächst einmal ist die Frage zu beantworten: Warum kam es überhaupt zu diesem Aktienverkauf? Zunächst war natürlich angedacht, die Anteile nicht an fremde Dritte zu veräußern, sondern an die Fußball AG. Es ist kein Geheimnis, dass die Fußball AG über ein sehr gutes Eigenkapital verfügt hat bis der Abstieg kam. Dieser hat dann rund 11 Millionen Euro gekostet, und damit war das Eigenkapital fast weg.

Und wenn es nicht genügend Eigenkapital gibt, kann man auch keine eigenen Aktien kaufen. Denn ein solcher Schritt müsste mit verwendbarem Eigenkapital getätigt werden, so sieht es das Aktiengesetz vor.

 

Eine andere wichtige Frage ist: Warum haben wir das nicht über Fremdkapital finanziert? Die Antwort ist einfach: Sie können keine Steuerschulden über Fremdkapital finanzieren. Keine Bank wird ein Darlehen zum Begleichen der Steuerschulden geben. Deshalb haben wir uns einen Partner gesucht, mit dem ein „Leihgeschäft“ möglich war. Jetzt kann man über den Preis diskutieren. Die Preisfindung war für mich insofern kein großes Problem, weil wir im Präsidium immer gesagt haben, dass wir die Aktien nur ausleihen und  zurückerwerben möchten. Dafür brauche ich ein Optionsrecht. Wenn ich dann einen hohen Preis fordere, muss ich auch einen hohen Preis zurückzahlen. Wir haben also keinen Preis verlangt, der marktgerecht ist, sondern einen Preis, den wir in den nächsten fünf Jahren stemmen können, um diese Anteile zurück zu erwerben. Diese Option war für uns immer Grundvoraussetzung dafür, diese Transaktion durchzuführen. Somit ist eine Preisdiskussion völlig uninteressant, zumal wir keine Alternative gehabt hätten. Auch wenn die Fußball AG die Anteile erworben hätte, hätten wir sie zurückkaufen wollen.  

 

Das schon, aber im Falle einer Gewinnausschüttung, wäre dieses Geld so zu sagen „in der Familie“ geblieben.

Dieser Weg ist ja immer noch offen. Wenn sich die Hauptversammlung zu einer Gewinnausschüttung entschließen sollte, können wir ja immer noch die Aktien zurückkaufen – mit einem marginalen Aufschlag.

 

Wir dachten, man könnte jedes Jahr nur 1% des Pakets zurückkaufen. Es gibt also ein freies Optionsrecht? Das ist doch schon mal sehr interessant! Die Anteile wurden also auch für die Rücklagenbildung für das Finanzamt verkauft?

Wie bereits dargelegt, wurden die Aktien verkauft, um mit dem Verkaufserlös einen Teil der Steuerverbindlichkeiten auszugleichen. Ab dem 31.Dezember 2014 können wir die Aktien ganz oder auch nur zum Teil von der BHF-Bank zurückerwerben. Wir müssen das nur drei Monate vor dem Ausübungszeitpunkt der BHF schriftlich anzeigen. Die Option muss bis spätestens 2018 ausgeübt werden, sonst würde sie verfallen.

 

Wie ist das denn genau passiert? Es liest sich immer so, als wäre der Verein vollkommen mit diesen Forderungen überrascht worden, weil diese nachträglich und rückwirkend erhoben worden sind.

Sind sie in einem gewissen Maße auch. Die Ausgliederung der Fußball AG erfolgte im Jahr 2000. Wir hatten danach eine Betriebsprüfung bis einschließlich 2002. Bei der Bewertung ist man der Sichtweise des Vereins gefolgt, und hat die Zahlungen der Fußball AG bezüglich des Namens- und Lizenzvertrages mit dem e.V. nur gering versteuert, weil man gesagt hat, der volle Betrag wird nicht dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugerechnet, sondern die Marke „Eintracht Frankfurt“ ist auch durch den Verein selbst mit seinen zahlreichen Abteilungen mit über 50 Sportarten geprägt worden. Diese Sichtweise kam der Eintracht sehr entgegen.

 

Im Jahr 2009 hat dann die Betriebsprüfung für die Jahre 2003 bis 2005 begonnen, und da hat man diese Sichtweise mit einem Mal aufgegeben und entschieden, dass die Zahlungen für den Namens- und Lizenzvertrag für den Verein zu 100% steuerpflichtig sind. Wenn man sich jetzt überlegt, dass die 1,2 Millionen Euro, die wir jedes Jahr für den Lizenzvertrag erhalten, mit 30% zu versteuern sind, sind das deutlich mehr als 300.000 EUR pro Jahr. Wenn man das von 2003 bis heute hochrechnet, weiß man schnell, mit welcher Steuerlast der Verein leben muss. Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt.

 

Erzählen Sie weiter…

Der Bundesrechnungshof hat das Finanzministerium in Berlin angesprochen, weil es in Deutschland tausende Vereine gibt, die alle nicht so geprüft werden, wie das aus Sicht der Behörden eigentlich sein müsste. Da liegen aus deren Sicht Milliarden an Steuereinnahmen brach. Daraufhin hat das Bundesfinanzministerium das zur Bundesangelegenheit gemacht und diese Aufgabe unter anderem an das Bundeszentralamt für Steuern übertragen. Dort wurde dann eine neue Abteilung für die Vereinsbesteuerung eingerichtet. Seit 2009 haben wir daher nicht nur Prüfer vom Finanzamt in Frankfurt auf der Geschäftsstelle am Riederwald, sondern auch vom Bundeszentralamt für Steuern. Und die haben eine ganz eigene Sichtweise.

 

Ich gebe Ihnen ein Beispiel von vielen: Wir haben einen Kooperationsvertrag mit der Fußball AG über die Unterhaltung eines Nachwuchsleistungszentrums. Dieses Leistungszentrum ist über die Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball-Liga vorgeschrieben. Dort wird ganz genau festgehalten, welche infrastrukturellen und personellen Mindestanforderungen ein Nachwuchsleistungszentrum zu erfüllen hat: die Anzahl der Mannschaften – nämlich zwischen sieben und neun –, die Anzahl der Trainer, die Ausbildung der Trainer, die Anzahl der Physiotherapeuten etc. sind hier genau festgelegt. Dafür bekommen wir von der Fußball AG das vereinbarte Geld, das wir zu 100 Prozent für die Zwecke des Leistungszentrums ausgeben müssen. Und wir müssen nachweisen, was wir im Detail mit diesem Geld gemacht haben.

 

Und hier entstehen steuerliche Probleme?

Ja. Generell fließt das Geld in den wirtschaftlichen Betrieb des Vereins, d.h. es ist voll steuerpflichtig. Das ist an sich keine Tragödie, denn wenn wir z.B. 100 EUR Einnahmen haben, haben wir auch 100 EUR Ausgaben. So würde das jeder normal denkende Mensch sehen. Nicht aber das Bundeszentralamt für Steuern. Die Prüfer sagen: „Die Einnahmen sind zu 100% steuerpflichtig. Die Betriebsausgaben lassen wir aber erst ab der U17 zu.“ Also bei uns nur für die Mannschaften U17, U19 und U23. Die Teams der U12 bis zur U16 stellen aus Sicht der Steuerprüfer Breitensport dar und zählen für sie somit zum ideellen Bereich des Vereins. Die Ausgaben für diese Mannschaften können wir daher nicht als Betriebsausgabe abziehen. Eine detaillierte Begründung vom Bundeszentralamt für Steuern für diese Festlegung gibt es bisher nicht. Die Prüfer sagen einfach: „Das ist so zu machen!“

 

Ich frage jetzt in diesem Zusammenhang: Welcher Verein, der Breitensport betreibt, hat so viele Trainer, Nachwuchskoordinatoren, Physiotherapeuten und Scouts mit entsprechenden Qualitäten wie wir im Leistungszentrum? Die Mannschaften U12 - U16 sind definitiv kein Breitensport. Kein Kind kann bei Eintracht Frankfurt einfach so zum Fußball angemeldet werden. Die Spieler werden von unseren Scouts gesichtet, müssen sich in einem Probetraining beweisen und werden dann an den Riederwald geholt. Des Weiteren werden jedes Jahr intensive Trainergespräche geführt und entschieden, ob die Spieler in den nächsten Jahrgang übernommen werden.

 

Ungeachtet dessen gilt: Wenn sich die Steuerprüfer mit ihrer Sichtweise durchsetzen, bedeutet das für uns für die Jahre 2006 bis 2008 noch mal ca. 150.000 Euro Steuern jährlich on top.

 

Wie geht das nun weiter?

Die entscheidende Frage ist: Gibt es zwischen dem Verein und der AG eine so genannte Betriebsaufspaltung? Das  Finanzamt vertritt die Meinung,  dass wir als Verein unseren Willen im Vorstand der Fußball AG durchsetzen können, und macht daran alles fest. Das ist aber nicht der Fall. Möglicherweise wird diesen Grundsatzstreit der Bundesfinanzhof entscheiden, wenn wir dort die Zulassung für eine Verhandlung bekommen. Das Verfahren läuft noch.

 

Was ist denn in Zukunft mit dem Leistungszentrum geplant? In der Presse war zu lesen, dass es in eine GmbH ausgegliedert werden soll.

Wenn wir das Nachwuchsleistungszentrum in eine GmbH ausgliedern, können wir den vollen Betriebsausgabenabzug steuerlich in Anspruch nehmen. Daher denken wir darüber nach, das Leistungszentrum in eine Tochtergesellschaft des e.V. auszugliedern. Eine Entscheidung darüber ist aber bisher noch nicht gefallen.

 

Wäre es nicht sinnvoll, das Ganze in die AG einzugliedern?

Zunächst muss man folgendes festhalten: Was die Ausgaben des Leistungszentrums angeht, stehen wir an Platz 15 der Bundesliga. Was aber den Output angeht, sind wir ganz weit vorne. Unsere Durchlässigkeit in den Profifußball ist sehr hoch, wir werden jedes Jahr vom DFB in höchstem Grade zertifiziert.

 

Eines ist dabei klar: Es wäre sehr schwer, die gleiche Effizienz und die gleiche Leistung für das gleiche Geld, das der Verein von der AG erhält, zu realisieren. Denn man darf nicht vergessen, dass unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins zahlreiche Menschen ehrenamtlich für das Leistungszentrum tätig sind. Eine Beteiligung der Fußball AG am Leistungszentrum würde aber in jedem Fall definitiv eine größere Präsenz der AG-Mitarbeiter und –Verantwortlichen am Riederwald voraussetzen.

 

Wahrscheinlich sind wir der einzige Verein, der jetzt diese steuerliche Problematik hat, da nach unserem Wissen bei den anderen Vereinen der gesamte Fußball-Stamm ausgegliedert wurde? Ansonsten würden andere Vereine in derselben Bredouille stecken wie wir?

Andere Vereine haben durchaus ähnliche Probleme. Im Detail gibt es aber immer Unterschiede. Andere Clubs haben das Leistungszentrum teilweise in eine eigene Kapitalgesellschaft ausgegliedert. Genauso wie wir unsere Vermarktung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert haben, könnten wir auch das Nachwuchsleistungszentrum in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern. Dazu bestand aber die ganze Zeit keine Notwendigkeit, weil erst in jüngster Vergangenheit von den Steuerprüfern entschieden wurde, dass von der U12 bis zur U16 die Betriebsausgaben nicht anerkannt werden.

 

Das wurde 2009 bei der Betriebsprüfung so gesagt...

Ja, aber die Feststellung hierfür geschah erst 2011. Es ist nicht so, dass jemand zur Prüfung kommt und sofort Ergebnisse präsentiert. Es gibt nun seit 2009 Prüfungen. Mal sind die Prüfer hier, dann wieder zwei Monate nicht. Jetzt gerade waren wieder vier hier und jeder überlegt sich was Neues.

 

Nur zur Klarstellung: Wenn 2008 die Betriebsprüfung für 2003 bis 2005 gemacht wurde, erklärt sich auch so, warum das alles so lange dauert. Hätte man da aber nicht schon damals relativ schnell das Leistungszentrum ausgliedern können, um so drei weitere Jahre der Steuerpflicht zu vermeiden?

Also erstens sind die Bescheide erst 2012 eingegangen.  Und zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nichts Konkretes, weil wir da noch im Verfahren vor dem hessischen Finanzgericht waren. Ein Ausgliederungsprozess funktioniert außerdem nicht so, dass man sich mal vom einen auf den anderen Tag überlegt: „Wir gliedern jetzt mal aus“. Da müssen gemäß unserer Satzung zunächst unsere Mitglieder befragt und bestimmte formale Voraussetzungen geschaffen werden, damit eine Ausgliederung  überhaupt umgesetzt werden kann.

 

Nochmals: Wenn 2008 mit der Prüfung begonnen wird, kommen die ersten Feststellungen frühestens 2010. Die Bescheide sind in unserem Fall 2012 gekommen. Danach haben wir zeitnah angefangen, über eine Ausgliederung nachzudenken. Schon aus formalen Bedingungen hätten wir die Ausgliederung des Leistungszentrums in eine Kapitalgesellschaft aber bis zur letzten Mitgliederversammlung überhaupt nicht hin bekommen können.

 

Im letzten Jahr ist - wenn man mal das Leistungszentrum und die Steuern außen vor lässt - ein operatives Minus von 900.000 bis 1 Millionen Euro entstanden...

Nein! Da haben wir 1 Million Euro  für Steuern zurückgestellt. Ohne diese Rückstellung hätten wir einen kleinen Gewinn ausgewiesen.

 

Sie haben auch ausgeführt, dass die Kosten der Verwaltung um 600.000 Euro zurückgegangen sind. Sind da tatsächlich die Kosten zurückgegangen, oder wurden höhere Einnahmen generiert?

Wir haben die Kosten reduziert.

 

Bei der Verwaltung. Aber nicht bei den Abteilungen?

Es gibt zwei große Posten: Früher haben ehrenamtliche Mitarbeiter von uns eine Belohnung erhalten, indem sie schon mal Eintrittskarten für unsere Bundesliga-Heimspiele bekamen. Diesen großen Posten im sechsstelligen Bereich haben wir gestrichen.

 

Der zweite Posten betrifft die Vermarktung, die dank des Engagements des Geschäftsführers der Eintracht Frankfurt ProSports GmbH, Moritz Theimann, erfolgreicher als früher läuft. Unsere Tochtergesellschaft muss nun nicht mehr in dem Maße durch den Verein unterstützt werden, sondern schreibt schwarze Zahlen. Die GmbH erwirtschaftet heute zehn Mal so hohe Erlöse mit Sponsoringpartnern wie noch vor wenigen Jahren.

 

Können Sie uns sagen, welche Beträge für die U-Mannschaften im Fußball aufgewendet werden müssen?

Das Nachwuchsleistungszentrum, und dazu gehören aktuell die Mannschaften von der U12 bis zur U23, wird jährlich mit 2,4 Millionen Euro unterstützt. Dieser Betrag wird aber von der Fußball AG an den e.V. komplett überwiesen.

 

Die Frage zielte eigentlich darauf ab, ob die 2,4 Millionen komplett in das Leistungszentrum fließen, oder ob da auch die anderen Abteilungen etwas von abbekommen.

Selbstverständlich nicht! Wir bekommen jährlich 2,4 Millionen plus 600.000 Euro Miete für den neuen Riederwald. Das sind 3 Millionen Euro. Dafür müssen wir der Fußball AG auf Heller und Pfennig genau nachweisen, dass die Gelder auch dort ausgegeben wurden, wo sie hingehören.

 

Das ist ja sehr interessant für uns als Außenstehende, denn wir kennen die Verträge ja nicht, und da sieht es so aus, als wäre der Verein „der starke Mann“. Aber anscheinend wirft die Tochter schon ein Auge darauf, dass der e.V. alles „richtig“ macht.

Natürlich. Da werden immer wieder Legenden geschmiedet, die völliger Unsinn sind.

 

Was ist denn für die Zukunft geplant? Es hieß ja bei der Mitgliederversammlung, es sollen mehr Einnahmen für die Namensrechte generiert werden, und wir werden bald 40.000 Mitglieder haben. Ist das wieder ein „echter Fischer“ gewesen, oder gibt es konkrete Konzepte? Man hat ja schon durch die Umstellung der Dauerkartenbevorzugung viele neue Mitglieder generieren können.

Damit ist auch wieder das Thema von der engen Verzahnung zwischen Fußball AG und des e. V. angesprochen. Wir müssen solche Themen immer enger miteinander abstimmen. Wir haben z.B. für bestimmte Spiele den Kartenerwerb von der Mitgliedschaft der Käufer abhängig gemacht, so wie das andere Vereine seit Jahren auch machen. Wir wollen gleichzeitig unsere Mitgliederentwicklung proaktiv mit diversen Maßnahmen – wie beispielsweise unserer Imagekampagne im letzten Jahr – begleiten, die aber alle kein Geld kosten dürfen.

In relativ kleinen und sensiblen Schritten wollen wir hier neue Wege gehen. Das nächste Ziel ist erst mal, dass wir die Zahl von knapp 27.000 Mitgliedern auf 30.000 steigern. Dann sehen wir weiter und hoffen natürlich, auch irgendwann mal die 40.000er Grenze zu erreichen.  Das hängt natürlich auch von unserer Tochter ab. Spielt sie attraktiven und erfolgreichen Fußball, ist vieles leichter und geht schneller.  

 

Können Sie noch was zum Namens- und Lizenzvertrag sagen….

Was den Namens- und Lizenzvertrag angeht haben wir mit der Fußball AG eine Vereinbarung, dass wir dieses Jahr außerhalb des bestehenden Vertrages 200.000 Euro mehr bekommen. Der neue Vertrag wird sehr starke Wechselbeziehungen beinhalten, d.h. wir partizipieren mehr als bisher am Erfolg der Fußball AG und auch die AG ist an gewissen Parametern des Vereins beteiligt. Aber da wir zur Planungssicherheit eine Deckelung nach unten brauchen, sind wir natürlich auch nach oben gedeckelt. Wir werden also nie mehr als 2 Millionen Euro aus dem Vertrag erhalten, aber auch nie weniger als 1 Millionen. Allerdings liegt uns noch nicht der endgültige Vertragsentwurf vor, den wir anschließend im Präsidium und in den Aufsichtsgremien besprechen. Die Modalitäten des Vertrages sind mit der Fußball AG abgestimmt, und wir werden in den nächsten Monaten zu einem Ergebnis kommen.

 

Glauben Sie, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen da sind, um den Rückkauf der Aktien zu stemmen?

Unsere Planungen gehen davon aus. Planungen sind jedoch immer nur so gut, wie sie eingehalten werden. Wir haben eine stabile Einnahmenseite. Und wir haben auch eine stabile Ausgabenseite. Wichtig ist, dass wir ein Controlling, eine Kostenrechnung eingeführt haben. Und mit unserem geschäftsführenden Vizepräsidenten Dieter Burkert ist auch jemand ganztags am Riederwald, der dies vor Ort überwacht.

 

Was bedeutet das für die Abteilungen?

Für die Abteilungen ist das ein Lernprozess. Früher wurden Belege in Schubladen gehortet,  und es gab die Vorstellung, dass man im nächsten Jahr weniger bekommt, wenn man seinen Etat nicht ausgereizt hat. Das stimmt jedoch nicht.

Wir haben ein ganz einfaches Prinzip: Das, was eine Abteilung an Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuschüssen einnimmt, kann sie auch ausgeben. Wenn eine Abteilung ihr Budget überzieht, müsste eine andere Not leiden. Das darf selbstverständlich nicht sein. Und wenn aus aktuellen Gründen größere Projekte anstehen, dann unterhält man sich darüber, wie diese gestemmt werden. Allerdings muss das Gespräch vor Beginn des Projektes stattfinden.

 

Zum Schluss noch mal zum Sportlichen: Was glauben Sie, wo wir am Ende der Saison stehen – also die Tochter?

Das Wichtigste ist der Klassenerhalt. Alles andere ist nach dem bisherigen Saisonverlauf nur ein Add-On. Gleichzeitig möchte ich aber betonen, dass wir uns in der Euro League und im DFB-Pokal stark präsentiert haben, zumal wir jeweils unglücklich ausgeschieden sind.

 

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben!

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