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Für Stuttgart-Spiel geplante Choreographie verschoben

Aus der Fanszene
22.11.2007 um 11:16
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Hallo Eintrachtfans,

 

wie ihr vermutlich mitbekommen habt, war für den kommenden Samstag, zum Spiel gegen den VfB Stuttgart, eine große Choreographie geplant. Wir haben uns nun entschieden, diese Choreographie vorerst bis zum Schalke-Heimspiel zu verschieben, denn in der letzten Woche ist in Italien einiges passiert, was in erster Linie natürlich für die aktiven Fans dort, allerdings auch für die gesamte Ultrabewegung im Allgemeinen große Auswirkungen hat, und demnach auch uns betrifft. Zuerst ein kleiner Abriss der Vorkommnisse: Am 11.11. wurde auf einer Raststätte bei Arezzo ein Fan von Lazio Rom durch einen Polizisten getötet. So wie es derzeit aussieht, ist dies nicht aus Notwehr oder durch einen „Zufall“ geschehen, sondern durch einen gezielten Schuss, obwohl der Fan bereits wieder in seinem Auto saß! Diesem Mord gingen auch keine besonders eklatanten Gewalttaten bevor, allerhöchstens ereignete sich ein Vorfall, wie er in Italien, und auch hierzulande, sicherlich hunderte Male am Wochenende passiert- und keinesfalls nur im Zusammenhang mit Fußball! Anders als im Februar, als der Polizist Filippo Raciti während einem Einsatz bei einem Fussballspiel ums Leben kam, kam es diesmal nicht zur Absage des kompletten Spieltags, lediglich die Spiele der Römer Clubs wurden abgesagt. Weiterhin wurde der Täter, der – anders als im Fall Raciti, wo sich ja mittlerweile auch Zweifel an der verkündeten Todesursache mehren, ja sogar die Möglichkeit genannt wird, dass der Beamte aus Versehen von einem Kollegen überfahren wurde – ja zweifelsfrei bekannt ist, nicht mal suspendiert, sondern lediglich versetzt. Was im Februar zu einer Hetzjagd auf jeden nur ansatzweise Verdächtigen, ja, sogar auf jeden aktiven Fussballfan in ganz Italien führte, gibt den Behörden nun scheinbar keinen Anlass zu großartigen Schritten. Bei den Erfahrungen mit der Justiz gegenüber Polizeibeamten im allgemeinen, und in Italien im Speziellen, ist es nicht einmal undenkbar, dass der Mörder von Gabriele Sandri straffrei ausgeht, wie auch 2001 der Polizist, der einen Demonstranten erschoss, dennnoch aber durch ein, gelinde gesagt, sehr fragwürdiges ballistisches Gutachten freigesprochen wurde. In Bergamo wurde nach jenem Vorfall das Spiel gegen Milan durch heftige Proteste der Curva Nord abgebrochen, nach dem Abbruch entwickelten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. In der letzten Woche wurden nun, wie es auch in Rom und Taranto zu Verhafteten kam, um die 20 Personen in Bergamo festgenommen und werden nun mit abstrusen Terrorismusvorwürfen konfrontiert, wodurch sie demnach schwere Strafen zu befürchten haben. Außerdem sind Auswärtsfahrten in Italien nun verboten worden und die Curva Nord Bergamo wurde, bedingt durch den Spielabbruch, komplett geschlossen. Auf unabsehbare Zeit wird unseren Freunden aus Bergamo also die Möglichkeit genommen, ihren Verein zu unterstützen. Die Tatsache, dass es sich bei dem Getöteten um einen Fan von Lazio Rom handelt, die ja bekanntermaßen beileibe nicht zu unseren Freunden gehören, spielt hierbei keine Rolle, da der Verein nicht ausschlaggebend sein sollte, sondern einzig und alleine, dass es ein Fussballfan ist, der hier ums Leben kam, sollte uns zu denken geben, und natürlich Anlass zu Solidarität unsererseits sein. Wer weiß, was die Zukunft für uns bringt, auch hierzulande sind die Weichen, auch seitens der zuständigen Behörden, ja nun wahrlich nicht immer auf Deeskalation gestellt. An diesem Tag ist ein Teil des Fussballs für alle, die diesen Sport lieben, gestorben, und es ist fraglich, ob diese Entwicklung sich aufhalten lässt. Umso mehr heißt es jetzt, zusammen zu stehen, für unsere Passion, unsere Szene und natürlich unsere Brüder aus Bergamo, welche noch weitaus direkter betroffen sind, und am letzten Wochenende ein großes Stück dessen verloren haben, was bisher ihr Leben ausmachte. Dies ist auch der Grund dafür, die Choreographie nun zu verschieben, denn es ist uns unmöglich, ein großes Spektakel zu veranstalten, und uns selbst zu feiern, während andernorts ein Polizist einen Fan erschießt, die gesamte Fankultur eines Landes ausgerottet werden soll, und unsere Freunde aus Bergamo, welche uns immer eine großartige Gastfreundschaft entgegengebracht haben, und wo wir grandiose Momente erleben durften, derart schwere Zeiten erleben. Stattdessen wird es eine andere Aktion geben, an der sich auch alle beteiligen können, und die ein Zeichen setzen soll. Wir als Ultras Frankfurt werden unser Möglichstes geben, um ihnen in dieser schweren Zeit beizustehen und ihnen Kraft zu geben. Diese Solidarität zu zeigen, sollte Pflicht für jeden sein, dessen Herz für Fussball und Ultra’ schlägt, und die Absage der Choreographie soll nur ein kleines Zeichen dessen sein. LUNGA VITA AGLI ULTRAS - CURVA NORD BERGAMO 1907 PER SEMPRE! Nun bleibt uns nur noch, Familie Sandri unser Mitgefühl auszusprechen und ihr viel Kraft für die schwere Zeit zu wünschen. Gabriele vive!

Ultras Frankfurt 1997, November 2007

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